Die Sun Belt war lange das Musterbeispiel einer intelligenten College-Football-Konferenz. Geographie machte Sinn, lokale Rivalitäten waren echt, und die sportliche Qualität stimmte. 2023 war die Konferenz die beste unter allen Group-of-5-Ligen, mit zwei Teams in den Top 30 des SP+ Rating und fünf weitere in den Top 70. Von 2020 bis 2024 gehörte die Sun Belt vier Mal zu den besten zwei G5-Konferenzen. Doch dann kam der Schlag: Curt Cignetti verließ James Madison in Richtung Indiana, Jon Sumrall nahm die Troy-Trojans mit sich weg, und nach der Saison 2025 gingen die beiden letzten Konferenz-Champions ebenfalls. Bob Chesney mit James Madison und Charles Huff mit den Golden Eagles der Southern Miss verließen die Sun Belt.
Der Abstieg spiegelt sich in den Zahlen. Nach Platz eins 2023 rutschte die Konferenz 2025 auf den dritten Platz der G5 ab, nur noch James Madison (27.) rangierte in den Top 85. Prognosen für 2026 sehen die Sun Belt sogar auf Platz vier der sechs Mid-Major-Konferenzen, näher bei Conference USA als beim dritten Platz American. Mit nur fünf Teams, die höher als 105. in der Returning Production ranked, beginnt ein neuer Zyklus.
Nicht alles ist düster. Die Konferenz wird geografisch sogar noch sinnvoller: Texas State verabschiedet sich zur umgestalteten Pac-12, Louisiana Tech verlässt früher als geplant die Conference USA und schließt sich der Sun Belt West an. Das Interessante daran ist weniger die logistische Neubewertung, sondern eher die symbolische. Dass Louisiana Tech diesen Premium-Preis zahlt, um hierherzukommen, zeigt dass die Sun Belt immer noch als attraktiv gilt. Und jetzt spielen Tech, Louisiana und Louisiana-Monroe endlich in derselben Konferenz, was diese Schulen schon lange forderten. Die regionalen Spannungen waren wieder da.
Die East Division sah 2025 zunächst nach echtem Titelkampf aus. Old Dominion spielte Virginia Tech auseinander und brachte Indiana mehr ins Schwitzen als fast jede andere Big-Ten-Mannschaft. Die Monarchs hatten sogar 27:21 gegen James Madison geführt, tief in die erste Halbzeit hinein. Doch JMU explodierte dann: 42:0 in Folge, danach kontrolliert zum East- und Conference-Titel. Für ODU gab es immerhin 10 Siege, das erste Mal seit neun Jahren.
Die West Division 2025 war ein Gedankenexperiment: Was passiert, wenn der Konferenz-Champion seinen Kader auseinandernimmt? Charles Huff ging 2025 von Marshall zur Southern Miss. Und er nahm Transfers mit. Marshalls SP+-Rating fiel um 7,6 Punkte, die Siege halbiert sich von zehn auf fünf. Southern Miss' Rating stieg dagegen um 7,1 Punkte: Von 1:11 und Platz 133 auf 7:6 und Platz 94. Die Golden Eagles führten die Division an, bis drei Spätverluste Troy mit seiner defensiven Dominanz zum Champion machten.
Ballports-Take: Für deutsche Fans, die amerikanisches College-Football verfolgen, ist die Sun Belt interessant als Beispiel, wie schnell Konferenzen unter Druck geraten. Wenn Top-Trainer und ihre Rosters verschwinden, fällt nicht nur eine Mannschaft, sondern das gesamte Prestigekalkül. James Madison unter Bob Chesney bleibt spannend zu beobachten, muss sich jetzt aber ohne seinen langjährigen Defensive-Boss Sumrall neu erfinden. Wer die Sun Belt 2026 gewinnt, könnte ein Statement setzen, dass diese Konferenz trotz Exodus noch liefert.