Der Juni ist Planungszeit in der NFL, und drei Monate vor dem Saisonstart haben alle 32 Teams noch offene Fragen. Bei den meisten dreht sich das Thema um die Quarterback-Position. Manche Teams wissen nicht mal, wer in Woche 1 den Ball wirft. Andere haben längerfristige Unsicherheiten, die Jahre in die Zukunft reichen.
Bei den Arizona Cardinals ist die Lage besonders verworren. Kyler Murray wurde freigegeben, Jacoby Brissett verweigerte das Offseason-Programm weil er mit seinem Vertrag unzufrieden ist, Gardner Minshew II kam als Free Agent, und der Draft-Pick Carson Beck sitzt im dritten Round dahinter. Neuer Coach Mike LaFleur war nicht dabei, als Brissett für den verletzten Murray einsprang und 3.366 Passing Yards sowie 23 Touchdowns schaffte. Jetzt verdient Brissett nur 4,88 Millionen Dollar im Jahr, davon nur 1,5 Millionen garantiert. Das ist weniger als die meisten Starter bekommen. Die Cardinals müssen entscheiden, ob Brissett überhaupt die Antwort ist, oder ob sie 2027 einen komplett neuen Plan brauchen. Spätestens irgendwann in dieser Saison werden sie wissen wollen, was sie an Beck haben.
In Atlanta ist die Situation unterschiedlich, aber nicht weniger kompliziert. Michael Penix Jr., der achte Pick des 2024er Drafts, startete die Saison 2025 als QB1. Nach nur neun Spielen, in denen er 1.982 Passing Yards und neun Touchdowns bei drei Interceptions warf, endete seine Saison mit einer schweren Knieverletzung. Die Falcons feuerten ihren GM Terry Fontenot und Coach Raheem Morris. Der neue Trainer Kevin Stefanski und die neue Führung fühlen sich nicht an Penix gebunden. Dazu kommt: Atlanta unterschrieb Tua Tagovailoa, den ehemaligen Dolphins-Starter. Tagovailoa ist aktuell der gesündere der beiden. Falls er im Training Camp überzeugend spielt, könnte er zum Favoriten werden, auch wenn Penix irgendwann zurückkommt. Das ist die Frage, die über Penix' Zukunft in Atlanta entscheidet. Stefanski hat in Cleveland viele QB-Konkurrenzen durchgemacht und kennt das Drama. Jetzt hat er die gleiche Situation wieder.
Baltimore muss sich eine noch größere Frage stellen: Wie lange bleibt Lamar Jackson bei den Ravens? Der zweimalige MVP sagt die richtigen Dinge, und oberflächlich gesehen ist die Idee, dass Baltimore sich von ihm trennen könnte, absurd. Aber die Franchise hat genug Unsicherheiten über die langfristige Zukunft, dass diese Frage im Raum steht.
Diese drei Teams zeigen exemplarisch, worum es in dieser Übung geht. Jedes Team hat Baustellen an der wichtigsten Position im Fußball. Manche sind kurz- und unmittelbar. Andere werden über Jahre hinweg nachwirken. Aber alle 32 Franchises haben etwas zu klären, bevor die Saison startet.
Für DACH-Football-Fans ist das ein wichtiger Moment, um die eigenen Lieblingsteams einzuordnen. Wenn dein Team mit der QB-Position hadert, ist das in dieser offseason ganz normal. Die meisten großen Namen haben eine Art Übergangssituation oder ein Vertragsproblem. Deshalb lohnt sich jetzt ein Blick auf die jungen Quarterbacks im Draft und auf dem Waiver, denn genau jetzt werden die Rollen für die kommenden Jahre verteilt.