Die beste Spielerin des kommenden Jahrzehnts im amerikanischen College-Basketball ist noch nicht mal ins College gegangen. Kaleena Smith, Point Guard von Ontario Christian in Kalifornien, dominiert die Recruiting-Rankings für die 2027er-Klasse so eindeutig, dass sie längst ihre Konkurrentinnen hinter sich gelassen hat. Mit 5 Fuß 6 Zoll ist sie nicht die größte auf dem Parkett, aber ihre Auswirkung auf das Spiel ist überproportional. Bei der CIF Open Division Championship führte Smith ihr Team zum Titel und schnürte dabei durchschnittlich 31,5 Punkte, 6,9 Assists und 54 Prozent Feldquote, dazu 38 Prozent von der Dreierline, auf die Schuhe.
Smith bewegt sich auf dem Court mit einer Ruhe, die man sonst nur bei etablierten Profis sieht. Sie liest Verteidigungen wie ein Computerprogramm, versteht die Räume auf dem Feld und kann ihre Mitspielerinnen in optimale Positionen bringen. Das ist kein Zufall. Sie hat unter extremem Druck gelernt, weil sie seit ihrer Ranglistung als Nummer 1 diese Erwartung trägt. Statt zusammenzubrechen, ist sie unter der Last gewachsen. Bei der Adidas 3SSB Session legte sie 24 Punkte, 5,3 Rebounds und 5,8 Assists auf. Das zeigt: Smith kann auch im Scorebook die Zahlen machen, wenn ihr Team sie braucht. WNBA-Scouts vergleichen sie mit Kelsey Plum und Kelsey Mitchell, zwei Spielerinnen, die schnell, präzise und unerschrocken sind.
Aber Smith sitzt nicht allein an der Spitze. Die nächsten Wochen werden entscheidend. Im Juni spielen die Top-Recruits auf Camps und in High-School-Turnieren, dazu kommt die FIBA U18 AmeriCup in Mexiko. Im Juli folgen zwei NCAA-Evaluierungsperioden im Grassroots-Circuit, und eine Auswahl wird für Team USA bei der U17 World Cup in Tschechien antreten.
Ivanna Wilson Manyacka, Wing der Bullis School aus Maryland, ist die Nummer 2 und hat legitimes Potenzial, Smith zu bedrohen. Mit 6 Fuß 2 Zoll bringt Manyacka die physische Präsenz mit, die Smith nicht hat. Ihre Athletik und ihr Defensivspiel sind Eliteklasse, und ihre Offensive hat sich bemerkbar verbessert, besonders bei der Ballführung und beim Distanzwurf. Sie führte Bullis ins Finale der Chipotle Nationals und wurde bereits dreimal in Folge ins USA Basketball Junior National Team berufen. Der Vergleich fällt auf Tamika Catchings und Natasha Howard, zwei Defensiv-Bulldozer.
Auf Platz 3 steht Caroline Bradley, eine Post von Oak Grove in Louisiana, die sich bereits LSU verpflichtet hat. Bradley ist eine echte Innenspielerin mit Skills weit weg vom Korb. Sie machte sich bei den USA Basketball National Trials im Mai bemerkbar, zeigte Führungsqualitäten und Kraft. Bradley wird als Nummer 3 deshalb ernst genommen, weil sie im besten Post-Pool des Landes spielt und als erste Fünf-Sterne-Spielerin der Klasse einen Commit abgegeben hat. Sie wird auch Teil des U17-Weltmeisterschafts-Kaders im Juli sein.
Ballports-Take: Für deutschsprachige Basketball-Fans ohne direkten Bezug zum US-College-System ist diese Nachricht primär eine für Basketball-Nerds. Dennoch lohnt sich ein Blick: Diese Spielerinnen werden die WNBA der nächsten Dekade prägen, und wer jetzt die Rankings verstehen will, hat einen Vorsprung, wenn diese Stars in zwei bis drei Jahren im Profi-Game landen. Smith sticht dabei besonders heraus, nicht wegen ihrer Größe, sondern wegen ihrer Spielintelligenz, die international selten ist. Wer wissen möchte, wie die beste amerikanische Basketball-Produktion von morgen aussieht, schaut dieser 2027er-Klasse zu.