Nach zwei Niederlagen auswärts schlugen die San Antonio Spurs zurück. Mit einem 115-111-Sieg in Game 3 der NBA Finals am Montagabend unterbrachen sie die 13-Spiele-Gewinnserie der New York Knicks und verhinderten das Aus in der Serie. Die Knicks führen zwar noch immer mit 2-1, haben zwei Heimspiele vor sich, doch die Spurs haben demonstriert, dass diese Finals noch lange nicht entschieden sind. Kein NBA-Team hat jemals einen 0-3-Rückstand aufgeholt, weshalb Game 3 für San Antonio tatsächlich ein Muss-Gewinn war.
Der Schlüssel zu Spurs-Sieg lag in der Offensive. In den ersten beiden Games hatte San Antonio massive Probleme, Punkte gegen New Yorks Abwehr zu erzielen. Obwohl die Spurs in der Regular Season gemeinsam mit den Knicks die drittbeste Offensive Quote hatten, produzierten sie in den ersten zwei Finals-Partien nur 100,5 Punkte pro 100 Possessions. Zum Vergleich: Sogar die schwächste Offensive der gesamten Saison, die Brooklyn Nets, schafften 108,2 Punkte pro 100 Possessions.
Am Montagabend fanden die Spurs endlich einen Rhythmus. Von Anfang an setzten sie auf ihre Killer-Spielzug, die "45 Screen"-Formation. Bereits beim ersten Basket des Spiels funktionierte es perfekt. Stephon Castle brachte den Ball mit, ließ sich von Victor Wembanyama und Julian Champagnie screenen und setzte dann De'Aaron Fox in Szene. Fox lutfte einen Alley-Oop für Wembanyama, der Karl-Anthony Towns dominierend überflog. Nur zwei Minuten später wiederholte sich das Drama. Diesmal setzten Champagnie und Wembanyama gestaffelte Screens für Castle, was Towns aus dem Paint zog und OG Anunoby gegen Wembanyama unter dem Korb zurückließ. Wembanyama erarbeitete sich eine Position, die nicht zu verteidigen war, und dunkte dominant. Nach fünf Minuten hatte Wembanyama bereits neun Punkte bei 4-for-4 Shooting, Castle stand bei sieben Punkten bei 3-for-3. Die beiden hatten zusammen bereits drei Assists produziert.
Auch wenn das Tempo der Spurs im Verlauf des Spiels nicht durchgehend so explosiv blieb, stagnierte die Offensive nie wieder wie in Games 1 und 2, wo die Spurs in einzelnen Vierteln auf nur 18 oder 19 Punkte kamen. In Game 3 unterschritten sie die 23-Punkte-Marke in keinem Viertel. Das lag daran, dass San Antonio durchgehend Druck auf Neue Yorks Korb aufbaute und flexibel reagierte, wenn die Knicks mit kleineren Lineups spielten.
Für deutsche Basketball-Fans mit Fokus auf die NBA ist klar: Eine Finals mit dieser Intensität und taktischen Raffinesse ist Lehrstoff. Die Art, wie die Spurs mit gezielten Screenings Mismatches suchten und ausnutzten, oder wie New York mit aggressivem Defense aber auch Schwächen in der Rotation hatte, zeigt, warum Finals-Basketball ein anderes Spiel ist. Game 4 am Mittwoch wird zeigen, ob die Knicks ihre Verteidigung anpassen können oder ob die Spurs mit ihrer neuen Offensive weiter Druck aufbauen.