Joel Bitonio hört auf. Der Left Guard der Cleveland Browns gab am Dienstag sein Karriereende bekannt, nach zwölf Saisons im professionellen Football. Der 34-Jährige verbrachte seine gesamte Laufbahn in Cleveland, nachdem ihn die Browns 2014 mit Pick 35 gedraftet hatten.
Bitonio gehört zu den wenigen Spielern, die ihre komplette Karriere bei einem Team verbringen. Sieben Pro Bowls sammelte er sich zusammen, nur vier Browns-Spieler in der Teamgeschichte kommen auf mehr. 2021 und 2022 landete er auf der First-Team All-Pro Liste. Daneben erhielt er 2022 die Walter Payton Man of the Year Award und war zweimal Empfänger des Art Rooney Sportsmanship Award (2018, 2023).
In seinem Abschiedsbrief schrieb Bitonio über die emotionale Bindung an den Verein: "Während meine Karriere voranging, konnte ich mir nie vorstellen, in einer anderen Uniform zu spielen. Diesen orangefarbenen Helm zu tragen, Teil dieser Organisation zu sein - vom Draft bis zu drei Vertragsunterzeichnungen - das gab mir ein Gefühl von Loyalität und Stolz, für eine Fanbase zu spielen, die uns gegenüber konsistent loyal ist. Ich habe hier angefangen, und irgendwann wusste ich, dass ich in Cleveland beenden wollte. Jetzt ist diese Aufgabe erfüllt."
Seine Bilanz: 178 Starts für die Browns seit deren Rückkehr nach Cleveland 1999. Damit hält Bitonio den Franchise-Rekord. Er war zugleich der am längsten tätige Spieler des Teams, bis sein Vertrag im März auslief und ihn zum unrestricted Free Agent machte. 2024 hatte er sich die Frage gestellt, ob es Zeit ist, hörte aber nochmal ein Jahr an.
In dieser finalen Saison 2025 rangierte Bitonio beim Pass-Block Win Rate unter den Top 3 von 65 qualifizierten Guards bei ESPN, beim Run Block war er 16. von 62. Als die Browns Anfang Januar ihre Lockerräume austräumten, hatte Bitonio Tränen in den Augen. "Ich blicke mit großem Stolz zurück", sagte er damals. "Es ist schwer, in Worte zu fassen. Man versucht, alles zu geben. Es ist hart. Man versucht, die beste Version seiner selbst zu sein und das Team zum Sieg zu bringen. Und das habe ich jeden Tag versucht."
Die Browns um neuen Head Coach Todd Monken haben diesen Offseason ihre Offensive Line komplett umgebaut. Sechs O-Liner gingen in Free Agency, darunter Bitonio. Cleveland holte sich Right Tackle Tytus Howard im Trade, unterzeichnete die Interior Linemen Zion Johnson und Elgton Jenkins, re-signete Teven Jenkins und draftete mit Pick 9 Left Tackle Spencer Fano.
Bitonio war die Konstante in Cleveland, der Spieler der ganz am Anfang das Vertrauen bekam und es nicht enttäuschte. In der DACH-Region wird dieser Abgang nicht so direkt gespürt wie in den USA, aber wer die Browns über Jahre verfolgt, verliert damit einen der sauberen, zuverlässigen Guards der Liga. Bitonio war nie der spektakulärste Name, aber einer der konsistentesten. Seine Pro-Bowl-Nominierungen sprechen Bände. In einer Liga, wo Free Agency und Trades längst normal sind, bleibt so eine einseitige Karriere eine Seltenheit. Für die Browns bedeutet Bitonio-Ära endgültig vorbei gleichzeitig einen Schlussstrich: Sie müssen jetzt ohne einen ihrer mentalen Anführer weitermachen.