Shawn Eichorst wird neuer Athletic Director der University of Wisconsin. Der 54-Jährige kehrt damit in seinen Heimatstaat zurück und kommt von der University of Texas, wo er als Deputy Athletic Director und Chief Operating Officer tätig war. Wisconsin gab die Verpflichtung am Mittwoch bekannt.
Eichorst stammt aus Lone Rock in Wisconsin und spielte Football an der University of Wisconsin-Whitewater, bevor er 1990 seinen Abschluss machte. Später erwarb er einen juristischen Abschluss von der Marquette University. Von 2006 bis 2011 arbeitete er bereits für die Wisconsin Badgers, damals unter Athletic Director Barry Alvarez. Seine Funktionen reichten von Senior Associate Athletic Director bis zum Deputy Athletic Director.
Die Anstellung folgt auf den Rücktritt von Chris McIntosh vor zweieinhalb Monaten. McIntosh übernahm eine neu geschaffene Position im Big-Ten-Büro als Deputy Commissioner für Strategie. Marcus Sedberry fungierte seitdem als kommissarischer Athletic Director.
Eichorst bringt umfangreiche Erfahrung aus dem College Athletics mit sich. Er war Athletic Director an der University of Miami von 2011 bis 2012 und dann von 2013 bis 2017 an der University of Nebraska. In Nebraska übernahm er das Amt nach der Pensionierung von Tom Osborne. Während seiner Zeit dort feuerte er Fußballtrainer Bo Pelini 2014 und holte Mike Riley von der Oregon State University. Riley brachte ein 93-80-Rekord von 14 Jahren in Corvallis mit nach Lincoln, ging dort aber in drei Saisons nur 19-19 und wurde nach einer 4-8-Saison 2017 entlassen. Eichorst selbst verlor seinen Job in Nebraska im Herbst 2017, kurz nachdem die Cornhuskers überraschend von Northern Illinois besiegt worden waren.
2018 stellte Texas ihn ein. Sein ehemaliger Chef dort, Athletic Director Chris Del Conte, bescheinigte ihm Integrität und Engagement: "Er war eine großartige Ressource, ein vertrauter Berater und ein lieber Freund. Shawn steckt alles in seine Arbeit und macht das mit unwandelbarer Integrität."
Wisconsin durchlebt gerade eine Übergangsphase. Kanzlerin Jennifer Mnookin verließ ihren Posten, um Präsidentin der Columbia University zu werden. Dazu kommt: Das Fußball-Programm der Badgers, über ein Vierteljahrhundert hinweg ein Modell der Kontinuität, ist ins Wackeln geraten. McIntosh feuerte Paul Chryst Mitte der Saison 2022 und holte Luke Fickell von der University of Cincinnati. Fickell hatte in seinen letzten fünf Jahren in Cincinnati 53-10 gewonnen und die Bearcats 2021 ins College Football Playoff geführt. In Wisconsin steht er aber bei 17-21. Die Badgers gingen letzte Saison 4-8 aus.
Für deutsche College-Football-Fans ist Eichorsts Rückkehr zu Wisconsin interessant, weil es zeigt, wie Athletic Directors im amerikanischen System ihre zweite Chance bekommen. Seine Bilanz als Leader ist gemischt, aber Texas und sein ehemaliger Chef vertrauen ihm. Wisconsin hofft, dass er die Badgers durch diese schwierige Phase navigiert und das Programm wieder auf Kurs bringt. Welche Implikationen seine Ankunft für Coach Luke Fickell hat, wird sich schnell zeigen.