NBA pfeift 11 Prozent mehr Fouls in den Playoffs ab
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NBA pfeift 11 Prozent mehr Fouls in den Playoffs ab

Die NBA ruft in diesen Playoffs deutlich häufiger Fouls auf als während der regulären Saison. Mit einem Anstieg von etwa elf Prozent pro Spiel bewegt sich die Quote auf einen der höchsten Werte in der Ligageschichte zu. Die Liga sieht darin nichts Ungewöhnliches, sondern eine natürliche Konsequenz der Playoff-Intensität.

Monty McCutchen, Senior Vice President für Schiedsrichter-Entwicklung und Training bei der NBA, bestätigt auf dem NBA Draft Combine, dass zwischen regulärer Saison und Playoffs tatsächlich ein Unterschied besteht. Allerdings ändere sich die Grundphilosophie des Schiedsrichtens nicht. McCutchen erklärt: "Es wäre extrem schwierig für unsere Spieler, Trainer und natürlich für unsere Schiedsrichter, wenn die Intensität einer Best-of-Seven-Serie über 82 Spiele gehen würde." Die Playoffs hätten eine besondere Qualität, die nur in dieser Dichte entsteht. "NBA Playoff-Basketball ist eines der großen Schauspiele im gesamten Sport. Man sieht die Leidenschaft und Kraft unserer Spieler und Trainer in engen Räumen über sieben Spiele hinweg. Das führt einfach zu einem anderen Spiel."

Historisch betrachtet ist dieser Anstieg bei Fouls bereits zum 66. Mal in der 80-jährigen NBA-Geschichte zu beobachten. Dass die Differenz wie in diesem Jahr über zehn Prozent liegt, kommt aber nur zum sechsten Mal in den letzten 60 Jahren vor. Die fünf größten Anstiege mit Werten zwischen 13 und 17 Prozent ereigneten sich alle zwischen 1949 und 1955. McCutchen betont: "Wir legen unsere Pfeifen nicht in die Tasche." Gleichzeitig räumt er ein, dass es legitim ist, leidenschaftlich über die Menge der gepfiffenen Fouls zu diskutieren. "Wir versuchen nur, den Momenten der Leidenschaft in den Playoffs gerecht zu werden, während wir unsere Standards einhalten."

Ein aktuelles Beispiel für diese kochende Leidenschaft war der Feldverweis von San Antonio Spurs-Star Victor Wembanyama, nachdem er Minnesota Timberwolves-Spieler Naz Reid mit dem Ellbogen traf. Spurs-Trainer Mitch Johnson verteidigte seinen 2,24-Meter-großen Star und betonte, dass Wembanyama ständig mit Situationen konfrontiert wird, in denen gegnerische Teams die Grenzen überschreiten, indem sie versuchen, "ihre Kraft gegen ihn durchzusetzen" und ihn zu Reaktionen zwingen.

McCutchen fasst die Playoff-Philosophie so zusammen: Aggression ist gut, Rohheit nicht. "Wir mögen keine Feldverweise sehen. Unser Ziel ist, alle diese Spiele durchzubringen, in denen wir bis zur Grenze zur Rohheit gehen, gleichzeitig aber ein wirklich aggressives, leidenschaftliches Spiel haben, das korrekt gepfiffen wird." Die Referees wollen eine Umgebung schaffen, in der Aggressivität belohnt wird, weil die NBA die besten Spieler aller Sportarten hat. Diese Aggressivität darf aber nicht in Rohheit abgleiten.

Ballports-Take: Für Basketball-Fans in Deutschland zeigt diese Quote-Debatte, wie unterschiedlich Playoffs gespielt werden. Wer die Spiele der Munich Basketball Lions oder anderer EuroLeague-Teams verfolgt, kennt dieses Phänomen: Im Playoff-Basketball wird körperbetont gespielt, die Schiedsrichter lassen mehr zu. McCutchens Aussage, dass Aggressivität belohnt werden soll, ist für jeden wichtig, der Fantasy-Basketball mit NBA-Spielern spielt oder Wetten auf Playoff-Spiele abschließt. Die höhere Foulquote bedeutet mehr Freiwürfe, schnellere Fouls-Out und unprediktablere Spiele. Wer Victor Wembanyama monitort, sollte außerdem im Auge behalten, wie oft er provoziert wird und wie Schiedsrichter mit jungen Superstars umgehen, die sich wehren.

Originalquelle: ESPN / NBAOriginal lesen →
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