Victor Wembanyama hat die San Antonio Spurs mit einer überragenden Leistung zum 122:115-Sieg gegen die Oklahoma City Thunder in der Doppelverlängerung geführt und damit die Western Conference Finals eröffnet. Der 22-jährige Franzose erzielte 41 Punkte und holte sich 24 Rebounds, besiegelte die Partie mit zwei Dunks in der Schlussminute und schnappte sich damit die Heimat-Vorteil für seine Mannschaft. Mit dieser Bilanz wurde Wembanyama zum jüngsten Spieler in der Playoff-Geschichte, dem eine 40/20-Partie gelang. Nur Kareem Abdul-Jabbar war bei seinem ähnlichen Auftritt in den Finals 1970 älter.
Dylan Harper trug mit 24 Punkten und sieben Steals, ein Playoff-Rekord für die Spurs, entscheidend bei. Stephon Castle steuerte 17 Punkte bei, Devin Vassell und Keldon Johnson je 13 Zähler. Die Spurs spielten ohne De'Aaron Fox, der wegen Fußgelenksteifheit ausfiel. Das Spiel entwickelte sich zu einem Krimi. San Antonio führte mit zehn Punkten bei noch 9:10 verbleibend in der regulären Spielzeit, ließ diesen Vorsprung dann vollständig schmelzen. In der Schlussphase wechselte die Führung zweimal, das Spiel war dreimal in weniger als zwei Minuten zum Unentschieden gebunden.
Wembanyama spielte sich in sein Debüt auf dieser großen Bühne regelrecht hinein. In der ersten Halbzeit dominierte er mit 14 Punkten und 10 Rebounds, dunkte über mehrfach verteidigte Gegner und wirkte völlig selbstbewusst. Die Spurs führten zur Pause mit 51:44. In der Verlängerung bewies Wembanyama Nervenstärke: Mit 28 Sekunden in der ersten OT traf er einen Deep-Three-Pointer von weit hinter der Linie und erzwang damit die zweite Verlängerung. Dort entschied er das Duell endgültig.
Für die Thunder endete eine neun Spiele lange Playoff-Siegesserie, die bis zum siebten Spiel der Finals der Vorsaison zurückreichte. Alex Caruso kam von der Bank und erzielte 31 Punkte, die zweitbeste Leistung seiner Karriere. Jalen Williams kehrte nach einer sechsspieligen Verletzungspause wegen einer Oberschenkelverletzung zurück und traf 26 Punkte. Shai Gilgeous-Alexander, der an diesem Abend seinen zweiten MVP-Award erhielt, hatte mit 24 Punkten und 12 Assists eine schwache erste Halbzeit: Er traf nur eins von fünf Würfen in den ersten 24 Minuten, die schlechteste Bilanz für ihn in fast drei Jahren. Es war erst das sechste Spiel eins in der NBA-Playoff-Historie, das in die Doppelverlängerung ging, das erste seit einem Spurs-Warriors-Duell 2013. Spurs-Coach Mitch Johnson beschrieb die Partie als Kampf der Willensstärke. Thunder-Coach Mark Daigneault sah Verbesserungsbedarf. Spiel 2 steht am Mittwoch in Oklahoma City an.
Ballports-Take: Wembanyama zeigt, dass er auf der größten Bühne bereit ist. Mit 41 Punkten, 24 Rebounds und der Ruhe, Playoff-Spiele in der Verlängerung zu entscheiden, bestätigt der 22-Jährige, warum er eines der größten Talente der NBA ist. Für deutsche Fans, die Wembanyama verfolgen, ist klar: Das ist kein Rookie mehr, der sich zurechtfinden muss. Das ist ein Star. Besonders beeindruckend ist seine mentale Stärke in extremen Situationen. Die Spurs haben mit diesem Sieg gegen eine der stärksten Teams der Liga einen wichtigen Vorteile geholt.