Drew Allar steht in der Indoor-Practice-Facility der Pittsburgh Steelers, die Füße fest im Rasen, und führt einen Three-Step-Drop aus. Dann wirft er einen Pass. Quarterbacks Coach Tom Arth stoppt die Übung, erklärt die Fußarbeit erneut, Head Coach Mike McCarthy ergänzt seine Hinweise. Allar setzt sich das zu Herzen und wirft nochmal, justiert seine Basis nach, bevor der Ball die Hand verlässt. So sah das Rookie Minicamp am Samstagmorgen aus: Drill um Drill, Tempo kontrolliert, Fokus absolut.
Allar war der einzige Quarterback an diesem Wochenende und bekam damit die volle Aufmerksamkeit von Arth und die direkte Anleitung von McCarthy, dessen berühmte Quarterback-Schule normalerweise mit drei QBs arbeitet. McCarthy wird später Mason Rudolph und Will Howard ins Programm bringen, doch für einen Rookie ist diese intensive Einzelbetreuung unbezahlbar. Arth und McCarthy arbeiten systematisch daran, Allars Fundamentals neu zu etablieren, seine alten Gewohnheiten abzulegen und einen Neubau zu starten.
Die physischen Voraussetzungen stimmen. Allar ist 1,96 Meter groß, hat eine ungewöhnlich breite Arm-Spannweite und Hände von fast 25 Zentimetern. Das sind genau die Attribute, auf die McCarthy bei West-Coast-Quarterbacks schaut. Die College-Statistik ist beeindruckend: drei Jahre Starter bei Penn State, 61 Touchdowns, über 7.400 Passing Yards. Aber die Mechanik braucht Arbeit. Das offenbarte sich in einer deutlichen statistischen Trennung. Gegen Top-10-Teams der AP-Rankings: 1-6 Bilanz, 50,3% Completion Rate, 5,5 Yards pro Attempt. Gegen alle anderen Teams: 25-3 Bilanz, 67% Completion Rate, 8 Yards pro Attempt. Das ist ein klares Signal.
Deshalb steht die Fußarbeit ganz oben auf McCarthys Agenda, genau wie bei Will Howard vier Wochen zuvor. Allar hat wenig Zeit unter Center verbracht. In der High School spielte er Run-and-Shoot, bei Penn State stand er 9 Yards tief. Jetzt soll er näher an der Line of Scrimmage schneller agieren, Blitze schneller erkennen, Übergänge flüssiger ausführen. McCarthy erklärt den Sinn dahinter: "Gute Footwork gibt dir die Fähigkeit, schneller zu spielen. Sie gibt dir die Fähigkeit, mit den Herausforderungen umzugehen, die beim QB-Spiel entstehen. Wir unterrichten ihn anders, als er bisher gespielt hat. Er hat viel Neuland vor sich, aber das ist überall so. Wenn er das Freitag macht, wir es Samstag besprechen und er es dann Sonntag umsetzt, das ist ermutigend."
Ballports-Take: Allar ist ein spannendes Projekt für Pittsburgh. Die mechanischen Defizite gegen Elite-Defenses sind real und McCarthy hat mehrfach bewiesen, dass er solche Probleme systematisch löst. Für Fantasy-Football-Spieler im deutschsprachigen Raum ist Allar mittelfristig interessant, solange Russell Wilson und Justin Fields die Depth Chart anführen. McCarthy braucht typischerweise drei bis vier Wochen, um Quarterbacks in sein System zu integrieren. Gelingt es Allar, die Footwork-Fundamentals zu verinnerlichen, könnte sein echtes Potential deutlich höher liegen als sein Draft-Status vermuten lässt. Die nächsten Wochen entscheiden viel.