Die NBA erlebt einen der wildesten Freien-Agent-Sommer ihrer Geschichte. Giannis Antetokounmpo, Kawhi Leonard, Jaylen Brown, Paul George, LaMelo Ball und Ja Morant landen alle bei neuen Teams. Free Agents wie Walker Kessler, Mitchell Robinson, Norman Powell, Marcus Smart und Tobias Harris verteilen sich in der Liga. LeBron James informierte die Los Angeles Lakers gerade eben, dass er die Franchise verlässt. Das Offseason-Karussell dreht sich schneller als je zuvor.
Der große Gewinner dieser Umbruchphase ist die Miami Heat. Das Team holte sich Antetokounmpo von den Milwaukee Bucks und zahlte dafür Tyler Herro, drei First-Round-Picks und weitere Assets. Der Preis war hoch, aber Miami setzte damit ein Zeichen in einer Eastern Conference, die sich immer schneller aufrüstet. Die Toronto Raptors schnappten sich Leonard, die Philadelphia 76ers landeten Brown. Doch bei dieser Trophäen-Jagd sollte Antetokounmpo der wertvollste Preis sein.
Die Zahlen sprechen für Miamis Deal: Der zwei-malige MVP ist drei Jahre jünger als Leonard und spielte in den vergangenen fünf Saisons in 75 Prozent der Spiele seiner Mannschaft. Leonard kam nur auf 54 Prozent. Antetokounmpo schnitt über fünf Jahre hinweg bei Punkten, Rebounds und Assists besser ab als Brown und dominierte ihn in Effizienz-Metriken wie Player Efficiency Rating und Win Shares deutlich. Seine Verletzungen in der letzten Saison scheinen schnell vergessen, wenn man sich seine Karriere-Leistungen ansieht. Für Miami bedeutet der Rückkehr zum Top-Level-Basketball ein Aufbau ohne Powell, den die Chicago Bulls abfingen. Doch ein starkes Comeback von Antetokounmpo dürfte das auffangen.
Ganz anders sieht es bei den Boston Celtics aus. Das Team wollte Brown gegen Antetokounmpo tauschen, scheiterte aber in den Verhandlungen mit Milwaukee. Stattdessen landeten die Celtics mit Paul George aus Philadelphia, zahlten aber Jaylen Brown dafür. Boston tauschte also einen 29-jährigen Finals-MVP gegen einen 36-jährigen Spieler ein, der in Philadelphia mehr Spiele verpasst als absolviert hat. George verbüßte zudem eine 25-Spiele-Sperre wegen Verstoßes gegen die Anti-Doping-Politik der NBA. Er ist zwar noch ein effizienter Distanzschütze, aber nur 12 Prozent seiner Würfe kamen aus dem Nahbereich. Die Celtics wollten ihre Offensive vom reinen Perimeter-Spiel weg diversifizieren und mehr Druck aufs Rebound-Spiel ausüben. Mit George gingen sie in die entgegengesetzte Richtung. Mitchell Robinson, ein defensiv starker Center, kam wenigstens noch von den Knicks. Trotzdem wirkt Bostons offensives für Brown wie ein Rückschritt, der nur getroffen wurde, um nicht später für seine Vertragsverlängerung zahlen zu müssen.
Für deutsche Fans mit Interesse an der NBA-Elite zeigt sich ein klares Bild: Miamis aggressiver Kurs mit Antetokounmpo macht das Team sofort zum Eastern-Conference-Favoriten, während Boston mit George einen bekannten Namen abholt, dessen beste Jahre möglicherweise hinter ihm liegen. Wer Fantasy-Basketball spielt oder auf Celtics-Spieler setzt, sollte die Vorsicht walten lassen. Antetokounmpo hingegen landet in einem System, das ihn auf dem besten Weg zur Meisterschaft einsetzen kann. Die Heat haben ihre Winter-Form gefunden, bevor der Ball überhaupt rollt.