LeBron James machte es kurz und schmerzlos. Am Dienstagmorgen, sechs Stunden bevor Teams mit Free Agents verhandeln durften, teilte der 41-Jährige den Lakers mit: Es ist vorbei. Nach acht Jahren in Los Angeles wollte er weg. Jeanie Buss, die Gouverneurin der Lakers, dankte ihm wenig später öffentlich. James antwortete höflich auf X. Dann herrschte erst mal Funkstille bei den Lakers.
Die Liga tobte sich derweil aus, während Los Angeles mit 52 Millionen Dollar in der Salary Cap einfach abwartete. Klar war nur: Luka Doncic bleibt. Austin Reaves bleibt. Aber der Rest der Mannschaft war voller Lücken. Es sah aus wie ein komplettes Desaster für die Lakers. Bis Mittwochmorgen alles anders wurde.
In gerade mal 35 Minuten wickelten die Lakers ihr komplettes Business ab. Erst holten sie Center Walker Kessler von den Utah Jazz via Sign-and-Trade. Dann unterschrieben sie reihum: Sandro Mamukelashvili, Quentin Grimes, Collin Sexton. Unrestricted Free Agents, alle nacheinander. Das Ergebnis ist ein deutlich jüngeres Team als in der Saison zuvor, aber auch komplett ungetestet. Marcus Smart ging zu Houston, Luke Kennard zu Phoenix. Beide wichtige Rollenspieler, weg.
Warum verließ LeBron die Lakers überhaupt? Nach seinem Wechsel sagte eine Quelle ESPN, dass James das Gefühl hatte, "es ist Zeit, weiterzumachen". Sechs Wochen waren seit der Playoff-Niederlage gegen Oklahoma City vergangen, einer Second-Round-Sweepverlage. James nutzte die Pause und kam zu dem Ergebnis: Er will seine verbleibende Karriere mit "bedeutungsvollem, wettbewerbsfähigem Basketball" füllen. Ein Wechsel reizte ihn. Ein persönlicher Konflikt mit Doncic bestand nicht, versicherten mehrere Quellen. Die beiden Balldominator hatten zwar anfangs Schwierigkeiten, miteinander zu spielen, doch privat respektierten und mochten sie sich.
Der Bruch lag woanders: zwischen James und der Organisation. Der begann nach dem gescheiterten Westbrook-Trade in der Saison 2021-22 und erholte sich nie richtig. James erkannte, dass die Lakers in einer anderen Phase ihrer Franchise-Geschichte stecken. Er entschied sich für seine Basketballglück und suchte sich einen neuen Klub, seinen letzten im Hall-of-Fame-Leben.
Die große Frage bleibt: Warum haben die Lakers jahrelang für einen Center gekämpft und ihn erst jetzt geholt? Die Antwort ist älter als gedacht. Schon früh in der Saison 2023-24, Kesslers zweitem Jahr in der Liga, fragten die Lakers bei Utah nach dem 7 Feet 2 großen Center. Utah sagte nein. Immer wieder nein. Der Preis war zu hoch. Erst jetzt kam Bewegung rein, aus zwei Gründen: Doncic gab der Front Office eine klare Anweisung, einen "A-list"-Center zu finden. Und Utah hatte plötzlich mehr Lust, den 24-jährigen Kessler abzugeben.
Für deutsche Fans, die den Lakers folgen, ist das ein Schlag ins Gesicht. James war das Gesicht der Franchise, der Star, der Garant für Erfolg. Mit Doncic hatte man sich auf eine neue Ära geeinigt. Jetzt startet diese Ära ohne LeBron, mit einem ungetesteten jungen Roster rundherum. Ob Kessler die Lücke im Gefüge füllt, ob Doncic mit jungen Seitenkicks statt etablierten Namen besser zurechtkommt, entscheidet sich erst auf dem Parkett. Die Lakers wagten einen Schnitt, der drastischer nicht hätte sein können.