Brandon Aiyuk lässt keine Zweifel daran, wohin es ihn zieht. In einem Instagram-Video, das der Wide Receiver am Sonntagabend postete, brüllt er mehrfach: "Go Commanders! Go Commanders! Go Commanders! Raise Hail! Take Command!" Dazu teilte er ein Foto von Mark Rypien, der nach Washingtons Super-Bowl-XXVI-Sieg die Lombardi Trophy in die Luft hielt. Die Botschaft ist unmissverständlich.
Doch Aiyuk steckt in einer bizarren Warteschleife fest. 49ers-GM John Lynch erklärte bereits im Januar, dass es "sicher ist zu sagen, dass Brandon seinen letzten Snap mit den Niners gespielt hat". San Francisco hält den Wide Receiver aber weiterhin, in der Hoffnung, einen Trade-Partner zu finden. Das führt zu einer festgefahrenen Situation, in der Aiyuk zunehmend seine Frustration via Social Media ausdrückt.
Im Juni begann der 26-Jährige erstmals öffentlich über die Situation zu sprechen. In mehreren Instagram-Videos beschuldigte er die 49ers, "dumb" und "stupid" zu sein, weil sie ihn bezahlen und gleichzeitig nicht freigeben wollen. Er deutete an, dass San Francisco Angst davor hätte, wie dominant er für einen anderen Team werden könnte. Das Commanders-Video vom Sonntag ist nur die neueste Eskalation in einem Konflikt, der fast ein Jahr andauert.
Der Ursprung liegt im August 2024. Die 49ers gaben Aiyuk einen Vier-Jahres-Vertrag über 120 Millionen Dollar. Doch im Juli 2023 eskalierte der Streit, als San Francisco die garantierten Restgelder strich, weil Aiyuk Reha-Sessions für seinen Knorpelschaden auslies. Der WR hatte sich in der Saison 2024 am rechten Knie verletzt: ACL-, MCL- und Meniskus-Riss. Im Dezember stellte die 49ers ihn dann auf die Reserve/Left Team List, nachdem er aufgehört hatte, zum Trainingsgelände zu kommen.
Dass Aiyuk die Commanders im Visier hat, ist kein Zufall. Der Quarterback dort ist Jayden Daniels, sein enger Freund und ehemaliger Teamkollege aus Arizona State. Aiyuk folgt auf Instagram nur fünf Accounts, darunter Daniels und die Commanders. Früher postete er bereits Fotos von sich in Commanders-Ausrüstung.
Wie aktuell Aiyuks Leistungsfähigkeit ist, bleibt unklar. 49ers-TE George Kittle sagte im "Pardon My Take"-Podcast, dass er Aiyuk zuletzt vor etwa acht Monaten trainieren sah. "Ich habe ihn bei über 22 Meilen pro Stunde laufen und auf dem dime stoppen sehen. Das hat er noch drauf, aber das war vor acht Monaten." Auf die Frage, ob Aiyuk als Commander glücklich sein würde, zuckte Kittle mit den Schultern: "Ich wäre auch nicht glücklich, nachdem mir jemand 130 Millionen Dollar bezahlt hat."
Vor seiner Verletzung war Aiyuk einer der produktivsten Wide Receiver der Liga. 2023 fing er 75 Pässe für 1.342 Yards und sieben Touchdowns, dazu kam eine Second-Team All-Pro-Auszeichnung. Sein Tal war tief, sein Fall ist schnell.
Für deutsche Football-Fans mit Auge auf die NFL ist Aiyuks Situation ein Lehrstück über die dunkle Seite von Langzeit-Deals. Ein 120-Millionen-Dollar-Vertrag bedeutet nicht automatisch Sicherheit, wenn die Chemie mit Franchise und Team zerbricht. Aiyuk zeigt, wie schnell eine Story von "beste WR-Pairing mit Deebo Samuel" zu "Social-Media-Drohungen und Konflikten" werden kann. Ob Washington tatsächlich zugreift oder ob die 49ers einen dritten Team als Trade-Partner finden, bleibt offen. Aber klar ist: So lange Aiyuk auf der Inaktivenliste sitzt, läuft die Clock gegen beide Seiten.