SAN ANTONIO - Victor Wembanyama hat sich selbst für die desaströse erste Halbzeit verantwortlich gemacht, wirkt aber nicht im Geringsten verunsichert, wie die San Antonio Spurs aus dieser Finalserie noch hervorgehen. Unmittelbar nach der 95-105-Niederlage gegen die New York Knicks am Mittwochabend gab der 22-Jährige zu, dass er in Game 1 der NBA Finals einfach nicht gut gespielt hat. Wembanyama warf sich selbst sechs Turnover und 15 vergebene Würfe vor, stellte sich damit aber auch hinter die Analyse von Coach Mitch Johnson. Der Coach hatte deutlich gemacht, dass sein Star-Center mehr Präsenz im Inneren braucht.
Der Ball-Statistik nach sprechen die Zahlen eine klare Sprache: Die Knicks dominierten die Spurs mit 50-42 Punkten in der Paint und gewannen die Zweite-Chance-Punkte mit 23-14. Genau dort muss Wembanyama nach Johnsons Überzeugung mehr Druck aufbauen. Der Center selbst stimmte dieser Einschätzung zu und sagte unverblümt: "Ich stimme dem Coach zu. Jedes Team verteidigt anders. Ich werde es herausfinden. Ich war heute einfach schlecht. Mehr steckt nicht dahinter."
Dabei spielte Wembanyama statistisch gesehen einen respektablen Basketball: 26 Punkte, 12 Rebounds, 3 Blocks. Diese Linie in einem Finals-Debüt ist historisch selten. Seit Blocks 1974 offiziell gezählt werden, schafften das nur drei Spieler vor ihm: Shaquille O'Neal 1995, Hakeem Olajuwon 1986 und Elvin Hayes 1975. Doch die individuelle Statistik konnte nicht verhindern, dass die Spurs zum ersten Mal in ihrer Franchise-Geschichte eine NBA-Finals-Serie mit einer Heimniederlage in Game 1 begannen.
Besonders bitter: San Antonio spielte mit 16 Assists die wenigsten Pässe seit dem 11. März 2022. De'Aaron Fox beschrieb das Kernproblem nach dem Spiel so: "Dass wir mit nur 16 Assists aus dem Spiel gehen, ist nicht das, was wir wollen. Wir müssen den Ball in Bewegung halten. Und wir müssen natürlich auch treffen."
Dylan Harper zeigte hingegen, warum die Spurs ihn gedraftet haben. Der Rookie schoss in der ersten Viertel 3-of-3 und erzielte damit zehn Punkte. Damit war Harper der erste Rookie in 25 Jahren, dem das in einem Finals-Spiel gelang. Insgesamt endete Harper mit 16 Punkten bei 6-of-10 vom Feld und nur einem Turnover. Mit seinen Drive-Floatern half er den Spurs, zeitweise 14 Punkte Vorsprung zu erarbeiten.
Doch New York war nicht bereit, das Spiel abzugeben. Die Knicks schnürten einen 25-11-Lauf, der die Partie wieder offen machte. Mit 1:28 verbleibend im dritten Viertel führten die Spurs mit zehn Punkten, zum Ende des dritten Viertels stand es 76-76. Im vierten Viertel legten die Knicks nach. Mit 2:16 auf der Uhr führten die Spurs noch 95-94 nach zwei Freiwürfen von Wembanyama. Doch die Knicks zogen davon und ließen einen 11-0-Lauf folgen. Jalen Brunson erzielte 13 seiner Game-High-30-Punkte im vierten Viertel, benötigte dafür aber ineffiziente 31 Schüsse. Wenn Brunson Verteidiger war, schoss San Antonio gerade 1-of-14 und war 0-for-8 von der Drei-Punkte-Linie.
Wembanyama fasste die verrückte Schlussphase so zusammen: "Es ging schnell. Ich denke, wir haben das Spiel einfach fallengelassen." Devin Vassell war aber optimistisch für Game 2: "Wir freuen uns auf Spiel 2, weil wir wissen, dass wir viel besser spielen können. Das ist nicht der Basketball, den wir sonst zeigen."
Ballports-Take: Wembanyamas Reaktion ist bemerkenswert. Ein Center seines Kalibers könnte sich auf die 26 Punkte und historische Rebounds-Bilanz ausruhen. Stattdessen kritisiert er sich selbst, hört auf seinen Coach und nennt sich schlicht schlecht. Das ist die mentale Verfassung, aus der Comebacks entstehen. Die Knicks waren in Game 1 brutal effizient in den letzten Minuten, die Spurs zahlreich uneffizient. Beide Dinge können sich in Game 2 drehen. Für Deutsche, die diese Serie verfolgen, ist Wembanyama jetzt der zentrale Mann: Wenn er im Paint präsent wird wie angefordert, wird San Antonio diese Serie sehr schwer machen.