Doug Martin war einer der besten Running Backs seiner Generation. 2012 wählten die Tampa Bay Buccaneers den damaligen Boise-State-Star an Position 31 des ersten Rounds. Sein erstes Jahr in der NFL war spektakulär: 1.454 Rushing Yards, 11 Touchdowns, Pro Bowl und First-Team All-Pro. 2015 folgte die nächste Pro-Bowl-Nominierung. Vor wenigen Monaten ehrten die Buccaneers Martin als einen der 50 besten Spieler ihrer 50-jährigen Geschichte. Im August vergangenen Jahres starb der 36-Jährige.
Martins Eltern, Leslie und Douglas Martin, haben nun Klage gegen die Stadt Oakland eingereicht. Sie werfen mehreren Polizeibeamten sowie einer Ambulanzfirma übermäßige Gewaltanwendung und verspätete medizinische Hilfe vor. Der Vorwurf lautet: Martin erlitt einen mentalen Gesundheitskrise im Oktober. Als die Polizei von Oaklands eintraf, hielten die Beamten ihn face down, mehrere Offiziere drückten auf seinen Rücken. Laut der am Dienstag eingereichten Klage war diese Fixierungstechnik ein wesentlicher Faktor für seinen Tod.
Auf Martins Mutter hatte zunächst die Notfallleitstelle angerufen. Die Polizisten fanden ihn versteckt in einem Nachbarhaus. Nach einer kurzen Auseinandersetzung legten sie ihn face down. Als Martin keine Reaktion mehr zeigte, nahmen die Beamten zunächst an, er schlafe oder stelle sich schlafend. Erst dann forderten sie medizinische Hilfe an. Die Klage wirft der Ambulanzfirma Falck USA und ihrer Tochtergesellschaft Falck Northern California vor, mehr als 15 Minuten für die Ankunft gebraucht zu haben und dann keine prompte Hilfe zu leisten.
Die Oakland Police Department teilt mit, dass eine Untersuchung noch laufe und man sich nicht zu laufenden Prozessen äußern könne. Die Polizei erklärte damals, Martin sei in einen Einbruch verwickelt gewesen und habe sich eine kurze Auseinandersetzung mit den Beamten geliefert, bevor er das Bewusstsein verlor. Das Alameda County Coroner's Office wartet noch auf die vollständigen Autopsie-Ergebnisse, da die Familie zusätzliche Tests anforderte.
Die Geschichte von Doug Martin ist für deutsche Football-Fans zunächst eine von sportlicher Exzellenz und plötzlichem Ende. Martin war ein Spieler, dem viele gute Jahre bevorstanden. Die Klage seiner Eltern wirft wichtige Fragen darüber auf, wie Behörden mit Menschen in psychischen Notlagen umgehen. Sie zeigt auch, dass die Karrieren und Leben von Profisportlern mit dem Spielfeld enden. Was in Oakland passierte, ist eine Tragödie, die über Football hinausgeht und die Verantwortung von Polizeieinsätzen und Notfalldiensten in den Fokus rückt.