Die Los Angeles Rams haben 2025 einen Trend gesetzt, der die NFL nachhaltig verändern könnte. Sie führten eine massive Zunahme der sogenannten 13er-Formation an, bei der drei oder mehr Tight Ends gleichzeitig auf dem Platz stehen. Insgesamt gab es in der Liga 1.845 Spielzüge mit dieser Konstellation, die höchste Anzahl seit 2007, seit ESPN diese Daten erfasst. Der Grund liegt auf der Hand: Im Draft diesen April wurden 17 Tight Ends in den ersten fünf Runden ausgewählt, ein Rekord. Diese Investition deutet darauf hin, dass die 13er-Formation auch in Zukunft noch häufiger zum Einsatz kommen wird.
Aber 13 Personnel ist nur eine von fünf weit verbreiteten Formationen in der modernen NFL. Die anderen vier sind 11, 12, 21 und 22 Personnel. Die Zahlen folgen dabei einem einfachen System: Die erste Ziffer zählt die Running Backs auf dem Platz, die zweite Ziffer die Tight Ends. Bei der 12er-Formation etwa stehen ein Running Back, zwei Tight Ends und zwei Wide Receiver auf dem Feld. Diese fünf Grundformationen bestimmen darüber, wie Offensiven ihre Gegner angreifen und welche Defensiven Pakete diese dagegen einsetzen müssen.
Bei der 11er-Formation, mit einem Running Back, einem Tight End und drei Wide Receivern, zeigt sich die Effektivität dieser Konstellation besonders deutlich. Sie zwingt Defenses dazu, leichte Sub-Packages mit nur sechs Spielern in der Box einzusetzen, um die drei Receiver zu covern. Dadurch entstehen mehr Platz für vertikale und horizontale Passspiele sowie für das Laufspiel. Die Dallas Cowboys dominierten 2025 in dieser Formation mit 479 Pass-Attempts und 244 Rush-Attempts. Insgesamt produzierte Dallas mit dieser Konstellation 4.888 Yards und 22 Touchdowns. Besonders beeindruckend war die offensive Effizienz: Die Cowboys erreichten 101.80 EPA (Expected Points Added) auf 11er-Snaps und durchschnittlich 6.6 Yards pro Spielzug. Quarterback Dak Prescott führte die Liga mit 206.7 Passing Yards pro Spiel an, während Running Back Javonte Williams mit league-best 80.8 Rushing Yards pro Spiel glänzte. Die Baltimore Ravens setzten dagegen deutlich weniger auf diese Formation: nur 291 Pass-Attempts, 107 Rush-Attempts, 1.714 Yards und 10 Touchdowns.
Für 2026 werden die Buffalo Bills zur Mannschaft, auf die man bei der 11er-Formation schauen muss. Sie führten die Liga mit 79 explosive Plays aus 11 Personnel an, darunter Läufe von mindestens 10 Yards und Pässe von 20 oder mehr Yards. Neuer Head Coach Joe Brady baut seine Offensive um diese Formation herum auf. Der Bills-Kader wurde gezielt verstärkt: Mit DJ Moore und dem vierten Draft-Pick Skyler Bell kamen zwei Receiver hinzu, die nach dem Fang sofort laufen können. Auch im Run Game bleibt diese Konstellation zentral. Running Back James Cook III erzielte 2025 in der 11er-Formation durchschnittlich 4.9 Yards pro Carry mit 14 Explosive-Play Rushes.
Die 12er-Formation bietet eine andere Balance. Mit einem Running Back und zwei Tight Ends ermöglicht sie Offensiven, Mismatches gegen defensive Personals zu kreieren, je nachdem ob die Defense mit Base oder Sub-Package antritt. Mit einem traditionellen Y-Tight End und einem "Move"-Spieler können Teams flexibel zu drei Receivern übergehen, Play-Action nutzen oder im Run Game breitere Blöcke aufbauen. Die Cleveland Browns führten 2025 mit 227 Pass-Attempts und 182 Rush-Attempts in dieser Formation an. Die Atlanta Falcons zeigten sich aber als das beste Team in der 12er-Formation: Auf 400 Snaps liefen sie dieses Package mit Effektivität.
Für deutsche Football-Fans bietet diese technische Analyse einen Einblick, wie strategisch die NFL mittlerweile ist. Die Personalkonstellation ist nicht zufällig, sondern ein bewusster Bauplan für Offensive. Wer diese fünf Formationen und ihre Häufigkeit versteht, versteht auch, wohin sich ein Team entwickelt und welche Spieler darin wichtig sind. Mit dem Boom bei Tight-End-Drafts und dem gestiegenen 13 Personnel-Einsatz sollten Fantasy-Football-Manager diese Position neu bewerten. Gleichzeitig zeigt sich: Moderne NFL-Offense ist Matchup-Engineering, nicht nur Raw-Talent.