Nick Saban saß am Mittwoch im Senat und machte dem Kongress unmissverständlich klar, wofür er kämpft. Der legendäre ehemalige Alabama-Trainer trat vor dem Senate Commerce, Science, and Transportation Committee auf und forderte die Abgeordneten auf, das Chaos in der College-Football-Welt zu beenden. "Congress muss Ordnung in ein System bringen, das dringend repariert werden muss", sagte Saban. Sein Argument war dabei sehr konkret: Ohne klare nationale Regeln werde aus jedem Standard ein neuer Rechtsstreit, und der Sport driften weiter in Richtung Profitum ab.
Saban trat zusammen mit anderen führenden Stimmen der College-Sports-Welt auf: Pete Bevacqua von Notre Dame, Pac-12-Commissioner Teresa Gould, West Virginia-Präsident Gordon Gee und Utah Defensive End Lance Holtzclaw. Während Holtzclaw den Blickwinkel eines Spielers einbrachte und über Agenten, den Transfer Portal und Trainerwechsel sprach, drückten die Athletic-Direktoren und Präsidenten ihre Sorge aus. Gould warnte deutlich: "Wir haben die Daten gesehen. Die Bedrohungen sind real." Sie sprach auch von Konsequenzen, die bereits sichtbar sind, etwa das Streichen von Olympic Sports durch Universitäten, wenn nicht bald Bundesgesetze verabschiedet würden.
Gegenstand der Anhörung war The Protect College Sports Act, ein Gesetzesentwurf, der nach monatelangen Verhandlungen zwischen Senator Ted Cruz (R-Texas) und Senator Maria Cantwell (D-Washington) entstand. Das Gesetz würde der NCAA eine Antitrust-Exemption geben, um mehrere Regeln durchzusetzen, die vor Gericht angefochten worden sind. Diese würden umfassen: Spieler dürfen nur einmal ohne Penalty die Schule wechseln, maximale Spielberechtigung auf fünf Jahre begrenzen, ehemalige Profisportler können nicht mehr im College spielen, und Schulen dürfen sich während der Saison nicht gegenseitig Trainer abwerben. Cruz nannte diese letzte Regel vielsagend die "Lane Kiffin Rule" in Anspielung auf LSUs Verpflichtung von Kiffin von Ole Miss im November.
Saban räumte ein, dass das Gesetz "nicht perfekt" ist und "viele, viele Anpassungen" notwendig sein würden, unterstützte es aber dennoch. Er betonte, dass es nicht um Parteienstreit gehe, sondern um etwas Fundamentales für den College-Sport. "Es schützt Athleten, es schützt Chancengleichheit, es schützt Wettbewerbsausgleich, es schützt Sportarten, die keine Einnahmen generieren, aber trotzdem wichtig sind", sagte Saban.
Das Gesetz würde zudem einen Spending Cap für jede Schule ermöglichen, um damit die finanzielle Eskalation im NIL- und Transfer-Portal-Zeitalter zu kontrollieren. Der Supreme Court hatte 2021 entschieden, dass die multimillionenschwere College-Sports-Industrie nicht von Antitrust-Gesetzen befreit ist, was die aktuelle Krise überhaupt erst ausgelöst hat. Cruz sagte ESPN, er sei "ziemlich zuversichtlich", dass die Gesetzgebung passiert. Es bräuchte 60 Stimmen im Senat, und bei 53 Republikanern wären mindestens sieben Demokraten nötig. Das Gesetz hat auch Unterstützung von Senator Eric Schmitt (R-Missouri) und Senator Chris Coons (D-Delaware). Es ist erst die dritte Anhörung in fünf Jahren zum Thema NIL, bisher ist aber kein Gesetzesentwurf zur Abstimmung gekommen.
Ballports-Take: Für deutsche Football-Fans ist das Thema weniger unmittelbar relevant, aber es zeigt ein grundsätzliches Problem des American College Sports: Die finanzielle Deregulierung durch NIL und Transfer Portal zerstört den Wettbewerb und bedroht kleinere Sportarten. Saban als Stimme für Ordnung ist bedeutsam, weil er nicht aus ideologischen Gründen argumentiert, sondern aus praktischer Erfahrung. Sollte ein Gesetz wie dieses passen, könnte es das Modell College Football stabilisieren und damit auch für Scouting und NFL-Draft-Vorbereitung vorhersagbarer machen, was wiederum deutsche NFL-Scouts interessiert.