San Antonio hat sich auf etwas vorbereitet, das lange unmöglich schien: Die Spurs spielen 2025 erstmals seit 2014 wieder in den NBA Finals, und Gregg Popovich sitzt nicht auf der Bank. Der legendäre Trainer erlitt im November einen Schlaganfall, der seine Karriere an der Seitenlinie beendete. Doch wer dachte, das würde die Spurs von ihrem größten Basketball-Gehirn trennen, unterschätzt die Organisation aus San Antonio. Victor Wembanyama suchte Popovich sofort auf, nachdem die Mannschaft nach dem emotionalen Game-7-Sieg gegen Oklahoma City zurück in die Stadt kam. Der französische Superstar hielt es für wichtig genug, den 77-Jährigen am Flughafen zu treffen. "Die Emotion war etwas, das ich lange nicht gespürt habe", sagte Wembanyama. "Wir müssen wieder herunterkommen und realisieren, dass wir die schwierigste Aufgabe noch vor uns haben."
Popovich ist zwar nicht mehr Trainer, doch im Frost Bank Center herrscht strikte Stille, wenn er den Raum betritt. "You shut the f--- up", brachte es Keldon Johnson auf den Punkt. Der Sixth Man of the Year 2025-26 respektiert die Präsenz des fünfmaligen Champions so sehr, dass Popovich automatisch Aufmerksamkeit bekommt. Der Coach kommt regelmäßig zu Trainings und Shootarounds vorbei, sobald er seine täglichen Reha-Workouts mit Hall-of-Famer Tim Duncan beendet hat. Popovich ist nun Director of Basketball Operations und hat sich selbst im Scherz "El Jefe" genannt.
Aber Popovich ist nicht allein in dieser Rolle. De'Aaron Fox wies darauf hin, dass die Spurs mit einer ganzen Armee von Champions-Erfahrung gesegnet sind. CEO R.C. Buford war lange Zeit General Manager und zweimaliger NBA Executive of the Year. Duncan, Manu Ginobili und David Robinson sind regelmäßig im Gebäude, ebenso wie Sean Elliott und Bruce Bowen. "Es ist großartig", sagte Fox. "Nicht nur Pop, die ganze Organisation. Es laufen täglich Menschen durch dieses Gebäude, die es geschafft haben. Manu ist beim Training, Tim ist da. Wir haben Typen, die mehrere Championships gewonnen haben und mehrfach ganz oben waren. Man kann sie alles fragen."
Fox beschrieb konkret, wie wertvoll diese Nähe ist: Eine Bemerkung zu einem Box-Out beim Free Throw, ein Pass zu viel oder einer zu wenig an einer bestimmten Spielsituation, all das kann den Unterschied machen. "Pop kommt rein und sagt, was er denkt. Das sind nicht einfach nur Tipps, weil sie selbst erfolgreich waren. Sie wollen, dass andere erfolgreich sind. Das ist großartig, besonders über eine lange Saison und über einen langen Finals-Run." Aktiver Coach Mitch Johnson profitiert von dieser Konstellation genauso wie die Spieler. Johnson übernahm die Mannschaft als interim head coach nach Popovichs Schlaganfall und steuerte das Team über die restliche Saison. Selbst während seiner Reha-Phase war Popovich für Johnson erreichbar, rief ständig an und gab Input. Johnson kam 2016 zur Organisation als Assistent und kehrte nun in einer völlig neuen Rolle zurück.
Popovich selbst verlässt die NBA mit 1.422 Siegen in der regulären Saison als Rekordhalter. Er gewann dreimal Coach of the Year und steht mit mindestens fünf Championships am dritten Platz in Playoff-Wins unter allen Coaches. Sein Abgang vom Spielfeldrand ist ein Bruch mit einer Ära. Doch statt dass die Spurs jetzt verletzlich wirken, erscheinen sie paradoxerweise gestärkt durch das Wissen, das überall in ihren Räumen präsent ist.
Ballports-Take: Für deutsche Fans, die die Spurs verfolgen, ist das eine beruhigende Nachricht. San Antonio beweist gerade, dass ein Franchise, das klug aufgebaut wurde, nicht an einer Person hängt. Popovichs Autorität und Wissen sind immer noch da, nur eben nicht mehr formal vom Sideline. Das ist für die Finals-Serie eine große Ressource gegen etablierte Favoriten. Gleichzeitig zeigt es, wie wichtig Kontinuität und die Bindung von Legend-Köpfen für langfristigen Erfolg sind, auch wenn Übergangszeiten schwierig aussehen.