James Pearce Jr. ist wieder bei den Atlanta Falcons. Der Edge Rusher wird diese Woche beim Minicamp dabei sein, bestätigte ESPN-Reporter Adam Schefter am Montag. Seit seiner Verhaftung im Februar war Pearce nicht mehr im Trainingsgelände der Falcons präsent gewesen.
Die Anklage gegen den 22-Jährigen bezog sich auf schwerwiegende Vorwürfe. Im Februar soll Pearce sein Auto mehrfach gegen den Wagen seiner Ex-Freundin Rickea Jackson gerammt haben. Das Ganze spielte sich in der Nähe einer Polizeiwache in Doral, Florida ab. Jackson ist Profisportlerin in der WNBA. Als Polizisten eintrafen, floh Pearce mit seinem Auto, verlor die Kontrolle und rannte dann zu Fuß davon. Die Staatsanwaltschaft hatte Anklagen erhoben: Schwere Körperverletzung mit tödlicher Waffe, Flucht vor der Polizei, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Stalking.
Ein Florida-Gericht hat Pearce nun in ein einjähriges Diversion Program aufgenommen. Das bedeutet, dass die Anklagen fallen gelassen werden, wenn Pearce das nächste Jahr über sauber bleibt. Er muss sich random Drogentests unterziehen, ein Mentalgesundheitsprogramm absolvieren und sich von Jackson fernhalten. Jackson hatte im Februar einen Schutzantrag gestellt, zog diesen aber zugunsten des Interventionsprogramms zurück.
Die Falcons haben sich zu Pearces Situation kaum öffentlich geäußert. Coach Kevin Stefarski sagte nur, die Organisation stehe in engem Kontakt mit Pearces rechtlichem Vertreter. Ein NFL-Sprecher teilte ESPN mit, die Liga überwache alle Entwicklungen genau und überprüfe die Angelegenheit unter ihrer Personal-Conduct-Policy.
Dass Pearce zum Minicamp zurückkehrt, ist sportlich bedeutsam. In seiner Rookie-Saison spielte er stark auf: 10,5 Sacks für Atlanta, ein Falcons-Rookie-Rekord. Im AP Defensive Rookie of the Year Voting landete er auf Platz drei. Während des Minicamps wird Pearce nicht mit der Presse sprechen.
Für deutsche NFL-Fans ist dieser Fall ein Lehrstück darin, wie die NFL mit Spielern umgeht, die außerhalb des Feldes in ernsthafte Probleme geraten. Pearce bekommt eine zweite Chance durch das Diversion Program, bleibt aber unter intensiver Beobachtung. Sportlich könnte eine volle Rückkehr sein Potenzial als Edge-Rusher-Prospect bestätigen. Gleichzeitig zeigt sich hier die Grenze zwischen sportlicher Perspektive und persönlicher Verantwortung: Die Falcons haben ein Risiko eingegangen, mit Pearce ein Jahr lang einen strukturierten Weg zu gehen, statt ihn sofort auszumustern. Ob diese Strategie aufgeht, wird sich zeigen.