Die New York Knicks landen in San Antonio und treffen auf eine Defensive, die bislang jeden hat scheitern lassen. Jalen Brunson sitzt im Media Day im Frost Bank Center und spricht über Stephon Castle wie über einen Gegner, den man respektieren muss. Der Spurs-Guard der zweiten Saison hat gerade Shai Gilgeous-Alexander in der Western Conference Finals neutralisiert, danach Anthony Edwards, Julius Randle und Deni Avdija. Castle sammelt Skalps wie andere Spieler Assists.
Brunson hat in dieser Postseason wenig durchmachen müssen. Die 76ers und die Cavaliers, beide ausgeschaltet von den Knicks, waren zu schwach. Die Spurs sind eine andere Hausnummer. Brunson selbst läuft mit 27 Punkten und 6,6 Assists in 14 Playoff-Spielen auf. Doch gegen Castle ist die Quote düster: In direkter Deckung hält Brunson bei 3 von 11 Würfen (27,3 Prozent). Das ist kein Zufall.
Castle erklärt seine Herangehensweise mit einer Einfachheit, die ihre Wirkung nicht verfehlt. Er versuche, physisch zu werden. Brunson sei zwar kürzer, spiele aber extrem physisch und arbeite sich gut zu seinen Spots. Die Disziplin ist entscheidend: Castles Raum zustellen, ohne ihm die Winkel zu geben, die er braucht. "Er hat schon gegen jede Deckung gespielt, wurde auf alle möglichen Arten bewacht", sagt Castle. "Aber jede Deckung hat andere Schwachstellen."
Castle verpasste in dieser Saison nur knapp ein All-Defensive Team. Er erhielt die meisten Stimmen ohne eine der zehn Positionen zu sichern. Spurs-Coach Mitch Johnson will sich bei Vergleichen zu den ganz großen Namen nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, sagt aber: "Es gibt nicht viele Namen auf diesem Level, wenn man seine Energie und defensive wie offensive Output ansieht." Johnson vergleicht Castles Reichweite eher mit Victor Wembanyama, dem langjährigen Zweiten, der überall auf dem Platz präsent ist.
Doch Castle ist nur ein Teil des Problems für Brunson. Wembanyama patrouilliert die Zone, kann aber auch ausrücken und Josh Hart hedgen. Dylan Harper, Devin Vassell und weitere können auf Brunson wechseln. Es gibt keine schwache Stelle, auf die sich die Knicks einschießen könnten wie noch gegen James Harden in der Conference Finals. Die Spurs verteidigen multidimensional. Sie sind physisch, sie pressen die Peripherie, und auf der Schwachseite hat Wembanyama freie Bahn. Brunson fasst es zusammen: "Sie können dich auf viele Arten schlagen, auf beiden Seiten des Balles."
Ballports-Take: Für deutsche Basketball-Fans ist Castle eine Faszination, weil er zeigt, wie auch Zweitrunden-Picks aus dem College zum Elite-Defender aufgebaut werden. Sein UConn-Background und die Intensität, die Brunson bei ihm sieht, erinnern an die Mentalität, die gerade auch beim EuroBasket wichtig wird. Brunson mit 27 Punkten im Schnitt trotz allem unter Druck zu halten, ist eine Hausaufgabe, die auf Castles Schultern liegt. Wenn es funktioniert, können die Spurs dich in dieser Serie zermürben.