Marshawn Kneeland, ehemaliger Defensive End der Dallas Cowboys, wurde nach seinem Tod im November 2025 mit einer CTE-Diagnose posthum befundet. Das Boston University CTE Center stellte fest, dass der 24-Jährige an Stage 1 der chronisch-traumatischen Enzephalopathie litt, einer neurodegenerativen Erkrankung, die durch wiederholte Kopfballverletzungen ausgelöst wird. Kneeleands Familie spendete sein Gehirn der Forschung.
Kneeland starb durch Suizid, nachdem er sich einer Verkehrskontrolle entzogen, sein Auto bei über 230 Stundenkilometern gefahren und verunglückt war. Die Polizei in Texas fand seinen Leichnam in den frühen Morgenstunden des 6. November. Sein Freundin Catalina Mancera und weitere Familienmitglieder gaben eine Stellungnahme ab: "Diese Diagnose ändert nichts an der Tragödie seines Todes, aber sie bietet wichtigen Kontext für einige der Kämpfe, denen er sich möglicherweise gegenübersah. Wir teilen diese Informationen, um Menschen zu helfen zu verstehen, womit NFL-Athleten und andere Hochleistungssportler zu kämpfen haben. Aufklärung ist uns wichtig. Wir erinnern uns an Marshawn mit Mitgefühl für die Person, die er war, nicht definiert durch seine letzten Momente."
Das Boston University CTE Center betonte ausdrücklich, dass Suizid "komplex und multifaktoriell" ist und eine posthume CTE-Diagnose "nicht als Ursache für einen Suizid angesehen werden sollte." Dennoch zeigen Kneeleands Krankenakten ein jahrelanges Muster von psychischen Problemen. Bereits 2020, während seiner Zeit an der Western Michigan University, gab es Vorfälle. In einem Fall musste er seine Waffe der Polizei übergeben, bis ein Berater ihn freigab. In einem anderen Incident rief ein Freund die Behörden an, weil er sich Sorgen um Kneeland machte. Man fand ihn auf Eisenbahngleisen, wo er sagte, er hoffe, ein Zug würde ihn überfahren. Er wurde daraufhin hospitalisiert.
Dr. Ann McKee, Direktorin des Boston University CTE Center, sagte, sie sei nicht überrascht von Kneeleands Diagnose. "Wir haben diese progressive Gehirnerkrankung bei nahezu der Hälfte der Athleten gefunden, die wir untersucht haben und die vor dem 30. Lebensjahr gestorben sind", erklärte sie. Von den vier CTE-Stadien zeigte Kneeland Stage 1, die früheste Form. Stage 4 bedeutet die schwersten Schäden.
Für deutsche Football-Fans ist der Fall Kneeland ein Weckruf, wie wenig wir über die Langzeitfolgen von Kopfballverletzungen und wiederholten Hits wissen. CTE wird erst nach dem Tod diagnostiziert, und während die medizinische Forschung Fortschritte macht, bleiben viele Fragen offen: Wie viele aktive Spieler könnten bereits betroffen sein? Welche Warnsignale gibt es? Die Diskussion um Spielersicherheit beschränkt sich oft auf kurzfristige Verletzungen, aber Kneeleands Fall zeigt, dass der Schaden im Gehirn lange nach dem Karriereende weiterwirken kann. Seine Geschichte sollte auch für deutsche Nachwuchsspieler ein Argument für bessere medizinische Überwachung und psychische Unterstützung sein.