Jaydon Blue kam in seinem ersten Jahr bei den Dallas Cowboys nie richtig in Fahrt. Der Running Back, den Dallas 2025 in der fünften Runde gedraftet hatte, machte zunächst vier Spiele lang nicht einmal den Active Roster. Als Miles Sanders mit einer Knieverletzung ausfiel, bekam Blue in Woche 5 gegen die New York Jets sein Debüt, blieb aber mit vier Carries für sieben Yards unauffällig. In den nächsten acht Spielen war er dann wieder nur Zuschauer von der Bank aus.
Die Geschichte seiner Rookie-Saison war von Anfang an kurios. Bei einer Trainingseinheit im Oktober zeigte sich Blue mit Custom-Cleats, die mit Louis-Vuitton-Druck verziert waren, worauf er sich Blasen an den Füßen zuzog. Coach Brian Schottenheimer erinnert sich noch genau an den Moment: "Ich sah ihn auf dem Platz liegen und fragte mich, was zum Teufel mit Blue los ist. Er sagt mir dann, er hätte Blasen. Ich schaue auf diese coolen Schuhe und denke mir nur, das ist genau das, womit man bei jungen Spielern rechnen muss." Blue wechselte daraufhin die Schuhe und konnte weitermachen.
Als Javonte Williams mit einer Schulterverletzung ausfiel, bekam Blue wieder Chancen. In der Saison kam er auf 129 Yards und einen Touchdown bei 38 Carries. Das war insgesamt zu wenig, um sich gegen Malik Davis durchzusetzen, der als zweiter Rusher der Cowboys 250 Yards sammelte. Besonders frustrierend für Blue war sein Einsatz in Spiel 17 gegen die New York Giants: Er startete und rannte in der ersten Hälfte für 76 Yards, fiel dann aber völlig aus dem Rhythmus und verlor in der zweiten Hälfte 12 Yards auf fünf Carries, während die Cowboys insgesamt ins Stocken gerieten.
Nach der Saison führte Schottenheimer ein offenes Gespräch mit seinem Running Back. "Wir haben alles auf den Tisch gelegt, alle Karten gezeigt," erzählte der Coach. "Er mochte es nicht, auf der Bank zu sitzen, und ich war sehr ehrlich darüber, warum das so war. Wir hatten großartige Gespräche danach." Blue selbst erkannte die Probleme: "Ich bin nicht so gestartet, wie ich sollte. Es war vielleicht nicht die richtige Art zu trainieren oder auf einer Reife-Ebene war ich einfach nicht da." Der 24-Jährige spielte an der University of Texas nicht als Lead Runner, war aber ein wichtiger Teil des Longhorns-Offensivs. In seinem Junior-Jahr startete er fünf von 15 Spielen und erzielte 730 Yards, acht Touchdowns und fing 42 Passes für 368 Yards und sechs weitere Touchdowns.
Nun kommt Blue mit einer völlig anderen Einstellung in die neue Saison. Schottenheimer beschreibt die Veränderung als "Nacht und Tag". Blue arbeitet intensiv mit Running-Backs-Coach Derrick Foster und hat sich selbst hinterfragt. "Ich schaue in den Spiegel und frage mich, warum ich nicht so oft auf dem Platz war wie ich sollte," sagte Blue. "Das waren die Dinge, die mich zurückhielten. Aber ich weiß, wie sehr ich Teil dieser Offense sein will und welch großes Stück ich für diese Offense sein kann." Javonte Williams bleibt der unumstrittene Lead Back der Cowboys. Er erzielte in seiner ersten Saison mit Dallas 1.201 Yards und unterzeichnete einen neuen Dreijahresvertrag über 24 Millionen Dollar mit 16 Millionen garantiert.
Für deutsche Cowboys-Fans ist Blue vorerst ein Name zum Beobachten. In der Fantasy Football sollte er keinen interessieren, solange Williams die Carries dominiert. Die Frage für Schottenheimer ist eher, ob Blue sein Potenzial jetzt nutzen kann oder ob die Cowboys doch noch einen erfahreneren Backup-RB holen. Das Gespräch im Offseason war wichtig, die kommende Vorbereitung wird zeigen, ob Blue es wirklich verstanden hat.