Die Trainervakanz-Saison in der NBA ist in vollem Gange. Die Milwaukee Bucks haben als erstes Team zugegriffen und Taylor Jenkins als neuen Head Coach verpflichtet, der Doc Rivers ersetzt. Doch vier weitere Franchises sind auf Trainersuche: Die Dallas Mavericks trennte sich von Jason Kidd, die Orlando Magic feuerte Jamahl Mosley, die Chicago Bulls sehen Billy Donovan gehen, und die Portland Trail Blazers sind ebenfalls ohne Cheftrainer.
Bei den Mavericks ist der Neuanfang unter dem neuen General Manager Masai Ujiri das Thema. Ujiri kündigte an, die gesamte Organisation von oben bis unten zu überprüfen, und Kidds Abgang ist der erste konkrete Schritt dieser Umgestaltung. Owner Patrick Dumont scheut keine Kosten dabei, was zeigt wie ernst gemeint dieser Umbruch ist. Kidd hatte noch vier Jahre und über 40 Millionen Dollar auf seinem Vertrag. Das Positive für einen neuen Coach: Cooper Flagg. Der junge Star hat die Größe und das Skillset eines Wings, um einer der flexibelsten Spieler der Liga zu sein. Mit ihm lässt sich eine konkurrenzfähige Mannschaft aufbauen. Das Negative: Thunder und Spurs im selben Teil des Landes werden die nächsten zehn Jahre wahrscheinlich dominant bleiben. Die Mavericks haben ihre First-Round-Picks für mehrere Jahre verpfändet. Kyrie Irving ist mit 34 Jahren keine langfristige Lösung, und Dereck Lively II wird von Verletzungen geplagt.
In Orlando ist die Situation anders gelagert. Die Magic gingen in die Saison mit großen Erwartungen, nachdem sie Guard Desmond Bane holten. Der achte Platz in den Playoffs und eine Collapse gegen die Detroit Pistons nach 3:1-Führung waren ein Desaster. Aber hier ist das Positive deutlich: Das Talent ist vorhanden. Paolo Banchero, Franz Wagner, Jalen Suggs, Anthony Black und Bane bilden eine Basis, die mit besserer Offensive und Konstanz durchaus funktionieren könnte. Das Negative wiegt aber schwer. Orlando baut sich selbst in die zweite Luxury-Tax-Ebene, was typischerweise nicht der Weg für Play-in-Teams ist. Die Franchise hat sich bislang kaum bereit gezeigt, in diese Kostenregionen zu gehen. Das könnte bedeuten, dass noch mehr Veränderungen anstehen.
Ballports-Take: Für deutsche Fans ist vor allem die Dallas-Situation spannend zu beobachten. Cooper Flagg entwickelt sich möglicherweise zu einem generationalen Spieler, und der neue Coach wird entscheidenden Einfluss auf seine Entwicklung haben. Orlando dagegen zeigt, wie schnell eine vielversprechende Saison zusammenfallen kann wenn die Chemie nicht stimmt. Das ist auch eine Lehre für europäische Basketball-Clubs mit teuren Rosters: Geld allein macht keine Meister. Wer diese vier Trainerjobs annimmt, wird in den nächsten Wochen eines der spannendsten Puzzles der NBA-Offseason lösen.