DETROIT - Donovan Mitchell nennt es eine Erleichterung. Nach Jahren des Scheiterns in der zweiten Playoff-Runde haben die Cleveland Cavaliers endlich die Konferenzfinals erreicht. Am Sonntag dominierte das Team die topgesetzten Detroit Pistons mit 125:94 in Spiel 7 und machte damit ein Trauma von fast einem Jahrzehnt zunichte.
Mitchell selbst hatte beim Weiterkommen schon viel erlebt. "Auch letztes Jahr, als wir gegen Indiana verloren, hatten wir die Finals im Blick. Wir sind jetzt einfach einen Schritt näher dran", sagte der Guard. "Aber ja, fast zehn Jahre lang bin ich in derselben Stelle hängengeblieben. Das hier ist für mich persönlich und für das ganze Team eine massive Erleichterung." Cleveland war in den vergangenen zwei Saisons jeweils in Runde zwei rausgeflogen. Seitdem LeBron James 2018 die Cavs verließ, hatte kein Team aus der Organisation es bis in die Konferenzfinals geschafft. Mit Mitchell, Jarrett Allen und Evan Mobley sollte sich das nun ändern.
In Spiel 7 ließ die Mannschaft von Trainer Kenny Atkinson niemanden Zweifel an ihrer Entschlossenheit. Mitchell spielte nach einer schwachen Performance in Spiel 6 mit gezieltem Fokus auf: 26 Punkte, acht Assists, sechs Rebounds. Nach ESPN-Recherche war Mitchell an 43 Punkten der Cavs beteiligt und seine Passes führten zu acht Baskets in Folge. "Mitchell die Bälle zu verteilen, das war der Knackpunkt am Anfang", erklärte Atkinson. "Wir wussten, dass dieser Start entscheidend ist. Die Pistons sollten merken, dass wir da sind und dass wir ihnen Probleme bereiten."
Clevelands Stärke lag in der Breite. Vier Spieler erreichten mindestens 20 Punkte, was in der Playoff-Historie des Franchises bislang nur einmal vorgekommen war. Sam Merrill traf fünf Dreier von der Bank und kam auf 23 Punkte. Mobley lieferte eine komplette Leistung mit 21 Punkten, zehn Rebounds, zwei Steals und zwei Blocks ab. Allen aber wurde zum Spiel-7-Helden: 23 Punkte und sieben Rebounds. Das war sein zweites Spiel 7 nacheinander. In der ersten Runde gegen Toronto hatte er 22 Punkte und 19 Rebounds geholt. "Das ist sein zweites Spiel 7 und ich habe zu ihm gesagt: Das bist jetzt du. Game-7-JA", lachte Mitchell über seinen Teamkollegen.
Die 31-Punkte-Niederlage war eine der höchsten Pleiten für ein Auswärtsteam in einem Spiel 7 der NBA-Geschichte. Es war zudem Clevelands zweiter Sieg in Folge in einem entscheidenden Spiel 7 dieser Playoffs. Die Cavs bewies damit Nervenstärke und Anpassungsfähigkeit, die in solchen Marathon-Serien essentiell ist. "Es ist eine Knochenarbeit", sagte Merrill. "Wir haben gegen zwei physisch extrem fordernde Teams gespielt und es ist ein großer Schritt für uns, dass wir trotzdem besser werden können. Man würde jede Serie gerne fegen, aber diese beiden waren für uns großartig, um einander noch besser kennenzulernen und noch mehr Vertrauen aufzubauen."
Am Dienstag beginnt die Eastern Conference Finals gegen die New York Knicks im Madison Square Garden. Atkinson hatte zu Beginn der Saison die Bilanz der vergangenen drei Jahre an die Wand gehängt: 11-15 in den Playoffs. "Ich habe das ganze Jahr gesagt, dass wir viel zu beweisen haben", betonte der Coach. "Wir haben jetzt etwas für uns selbst bewiesen, dass wir noch einen Schritt höher gehen können. Aber noch haben wir mehr zu beweisen."
Ballports-Take: Die Cavs sind endlich weg von ihrer Dauerkrankheit. Mitchell, Allen und Mobley sind junge genug und talentiert genug, um wirklich einen Durchmarsch zu schaffen. Für Fantasy-Spieler in der Community: Mitchell ist als Primary Playmaker im Vergleich zu früher deutlich wertvoller geworden. Allen ist in Spiel-7-Szenarien ein absoluter Anker und Mobley liefert die Balance-Stats ab, die im Mid-to-Late Round wertvoll sind. Das Team hat bewiesen, dass es tatsächlich um den Ring spielen kann, nicht nur darum, eine Serie zu überstehen. Die nächsten zwei Wochen gegen die Knicks werden zeigen, ob das nur Hoffnung ist oder tatsächliche Elite-Performance.