Die San Antonio Spurs haben die Oklahoma City Thunder in einem Playoff-Klassiker mit 122:115 nach Doppel-Overtime besiegt. Das Spiel dauerte so lange, dass es erst das zweite Game 1 einer beliebigen Playoff-Serie in den vergangenen 40 Jahren war, das in die zweite Verlängerung ging.
Von Anfang an deutete alles auf einen Thunder-Sieg hin. In der ersten Verlängerung führte Oklahoma City mit drei Punkten und weniger als einer Minute auf der Uhr. Die Thunder waren diesem Game-1-Sieg so nah, doch dann geschah das Entscheidende: Victor Wembanyama schnappte sich den Ball und versenkte einen 3-Pointer von der Logo-Line aus. Mit nur 26,3 Sekunden verbleibend glich er zum 106:106 aus. Die Spurs hatten danach noch 0,7 Sekunden für einen Siegeswurf, scheiterten aber. Die Partie ging in die zweite Verlängerung, wo die Spurs die Kontrolle übernahmen. Sie erzielten den ersten Punkt und gaben die Führung nicht mehr ab.
Wembanyama war dabei die dominierende Kraft. Der 22-Jährige erzielte 41 Punkte, schnappte sich 24 Rebounds und blockte drei Würfe. Damit wurde er erst der zweite Spieler in der Spurs-Geschichte, dem ein solches Leistungspaket in einem Playoff-Spiel gelang. Noch bemerkenswerter: Mit 22 Jahren und 134 Tagen überholte Wembanyama Kareem Abdul-Jabbar für den jüngsten Spieler aller Zeiten mit 40 Punkten und 20 Rebounds in einem NBA-Playoff-Spiel. Abdul-Jabbar war damals noch unter seinem Namen Lew Alcindor bekannt und 22 Jahre und 352 Tage alt, als er diese Marke erreichte.
Auf der anderen Seite strauchelte Shai Gilgeous-Alexander, der am Sonntag zum zweiten Jahr in Folge als MVP der Liga ausgezeichnet worden war. Der Thunder-Star warf schlecht, traf nur 7 von 23 Versuchen aus dem Feld und brachte es auf 24 Punkte. Stattdessen mussten die Thunder auf ihre Bank setzen: Alex Caruso führte mit 31 Punkten vom Bench an, Jalen Williams steuerte 26 bei. Doch es reichte nicht aus, um mit den Spurs Schritt zu halten.
Game 2 findet am Mittwoch in Oklahoma City statt.
Ballports-Take: Wembanyama zeigt hier, warum er als Generationentalent gehandelt wird. Mit 22 Jahren in der Western-Conference-Finals so dominant aufzutreten und dabei noch einen NBA-Rekord zu brechen, ist beeindruckend. Für deutsche Fans interessant: Wembanyama ist Franzose und prägt die internationale Dimension der NBA deutlich. Der Sieg der Spurs ist auch deswegen relevant, weil San Antonio historisch eine Franchise ist, die junge internationale Spieler entwickelt. Game 2 wird zeigen, ob die Thunder unter MVP Gilgeous-Alexander sich erholen oder ob Wembanyama und die Spurs weiter dominieren.