Curtis Blair saß am Freitag den ganzen Tag vor seinem Computer und checkte ständig sein Email-Postfach. Samstag dasselbe. Sonntag auch. Die NBA wollte bekanntgeben, welche Schiedsrichter die Finals leiten würden, und die Warterei zermürbte ihn. "Alle zwei Minuten habe ich nachgeschaut", sagte Blair später. Freitag kam nichts. Samstag auch nicht. Am Sonntag war Blair gerade mit dem Auto von seinen Eltern in Virginia zurück nach Hause gefahren, als sein Handy klingelte. Der Anrufer war Albert Sanders Jr., der Vizepräsident und Leiter der Schiedsrichter-Abteilung der NBA. Dieser Anruf war die Nachricht, auf die Blair Jahre gewartet hatte. Er rief zurück und erfuhr: Zum ersten Mal in seiner Karriere wird er ein Spiel in den NBA Finals leiten. Er ist der einzige Schiedsrichter, der zum ersten Mal für diese Serie ausgewählt wurde. Die Finals zwischen den San Antonio Spurs und den New York Knicks beginnen am Mittwoch.
"Ein sehr emotionaler Moment für mich", sagte Blair. "Ich stand so lange schon vor der Tür. Das ist mein 18. Jahr, und ich musste lernen, dass jeder seinen eigenen Weg geht. Jeder hat seinen eigenen Zeitplan. Man wird Schiedsrichter, kommt in die erste Runde, zweite, dritte. Man muss sich einfach auf seinen eigenen Weg konzentrieren." Die NBA gab die komplette Liste am Dienstag bekannt. Scott Foster wurde ausgewählt, um seine 19. Finals zu leiten, das sind die meisten unter den aktiven Schiedsrichtern. Neben Foster und Blair wurden auch Tony Brothers (15. Finals), Marc Davis (15.), James Capers (14.), Zach Zarba (13.), John Goble (10.), Josh Tiven (7.), James Williams (6.), Courtney Kirkland (5.), Sean Wright (3.) und Tyler Ford (2.) ausgesucht.
"Für einen NBA-Schiedsrichter ist die Auswahl für die Finals die höchste Ehre", sagte Byron Spruell, Präsident für League Operations bei der NBA. Die Finals-Schiedsrichter erhalten spezielle weiße Wärm-Jacken, die nur denjenigen gegeben werden, die die Championship leiten. Blair besitzt bereits zwei solche Jacken aus den Jahren 2021 und 2022, als er noch Ersatz war. Aber die Jacke, die er diesmal erhält, hat eine ganz andere Bedeutung. "Das ist lustig", lachte Blair. "Ein anderer Schiedsrichter rief mich an und sagte: 'Ich weiß, du hast zwei andere weiße Jacken, aber die hatten einen Asterisk. Die kannst du wegwerfen. Jetzt hast du eine echte.'"
Ballports-Take: Curtis Blair braucht 18 Jahre, um sein großes Ziel zu erreichen. Das ist eine Geschichte, die zeigt, was Durchhaltevermögen im professionellen Sport bedeutet. Für deutsche Fans, die Basketball folgen, ist Blair ein interessantes Beispiel dafür, wie auch Schiedsrichter international auf Top-Niveau arbeiten müssen. Die Tatsache, dass er 2008 begann und erst jetzt seinen ersten Finals-Einsatz bekommt, unterstreicht, wie wenig platz es an der Spitze gibt. Seine Emotionalität beim Erreichen dieses Ziels macht deutlich: Es geht nicht nur um das Spiel, sondern um den persönlichen Weg jedes Offiziellen.