Myles Garrett zu den Los Angeles Rams zu holen ist eine Wette auf einen der dominantesten Defensive Ends der Liga. Der 31-Jährige postete in der vergangenen Saison 23 Sacks, nachdem er jahrelang unter 16 Sacks pro Saison blieb. Jetzt traute sich der Pass Rusher offenbar den nächsten Schritt zu und wechselte von Cleveland nach Los Angeles.
Die Chancen, dass Garrett die mythische 20-Sack-Marke knackt, sind so gut wie nie. Historisch betrachtet ist das eine absurde Prognose. Seit Sacks 1982 offiziell gezählt werden, haben nur drei Spieler überhaupt 20 oder mehr Sacks in einer Saison erreicht: J.J. Watt zweimal (2012, 2014), und wenn man die retroaktiven Statistiken von Pro Football Reference einrechnet, auch Mark Gastineau und Deacon Jones. Jones war der einzige, der dies in aufeinanderfolgenden Saisons schaffte.
Was spricht für Garrett? Erstens die Kontinuität. Der Mann ist eine Verletzungsmaschine in die falsche Richtung. In den letzten fünf Saisons verpasste er nur ein Spiel. Zweitens die Situation in Los Angeles. Die Defensive Linemen neben ihm, Kobie Turner und Byron Young, sind stärker als seine ehemaligen Teamkollegen bei den Browns. Aber das Entscheidende ist die Anzahl der Pass-Rush-Snaps, auf denen er arbeitet.
Bei den Browns hatte Garrett 448 Pass-Rush-Snaps, was ihn auf Platz acht unter allen Defendern einordnete. Aber wenn man nur die Downs zählt, auf denen Next Gen Stats eine Passwahrscheinlichkeit von mindestens 80 Prozent gab, landete Garrett auf Platz 17 mit 217 Snaps. Das heißt: Etwa 50 Prozent seiner Pass-Rush-Snaps kamen in offensichtlichen Pass-Situationen. Das ist durchschnittlich.
Der Spieler, den Garrett bei den Rams ersetzt, ist Jared Verse. Verse hatte 241 solcher Pass-Rush-Snaps, Platz sechs ligaweit. Das sind 34 mehr als Garrett, oder zwei zusätzliche pro Spiel über eine 17-Spiele-Saison. Das klingt nicht nach viel, addiert sich aber. Koordinator Chris Shula wird Garrett außerdem häufiger als Decoy nutzen als Browns-Koordinator Jim Schwartz das tat. Gleichzeitig verspricht Shula mehr kreative Fronts und Blitz-Looks, die ein Doubling gegen Garrett erschweren sollen.
Das Risiko liegt in der Ausführung. Garrett brauchte 14 Saisons, bis er erstmals über 16 Sacks in einer Saison kam. 2025 schaffte er dann die 23. Die Lücke zwischen "solide" und "legendär" ist bei diesem Spieler größer als bei fast jedem anderen in der Liga. Ob er drei weitere Sacks aus den zusätzlichen Gelegenheiten generiert, hängt von Konsistenz und Matchups ab.
Für Deutsche Football-Fans, die sich mit der NFL intensiver befassen, ist Garrett einer jener Spieler, die man im Auge behalten sollte. Wenn er die 20 Sacks tatsächlich schafft, ist es eine historische Leistung. Das macht ihn zu einer Fantasy-Football-Waffe von höchstem Rang, falls ihr im DACH-Raum in Ligaspiele involviert seid. Die Rams werden defensiv über einen Pass Rusher verfügen, der auf dem Weg ist, in die rarefied air der Defensive-End-Legenden aufzusteigen. Ob die 20-Sack-Marke fällt oder nicht, Garrett wird 2026 einer der faszinierendsten Spieler der Liga sein.