Indiana Fever Coach Stephanie White begrüßt zwar, dass die WNBA das Foul von Alyssa Thomas nachträglich überprüft und geahndet hat, aber sie stellt eine unbequeme Frage: Warum haben die Schiedsrichter das nicht sofort gesehen?
Thomas von den Phoenix Mercury bekam nach der Überprüfung durch die Liga ein unsportliches Foul der höchsten Stufe und eine Spielsperre aufgebrummt. Die WNBA urteilte, dass Thomas einen "Non-Basketball-Act" beging, indem sie Caitlin Clark "leichtfertig mit der Faust in den Halsbereich" traf. Das Ganze spielte sich am Mittwoch während Phoenixs 111:109-Sieg ab, im zweiten Viertel. Clark fuhr in die Lane, rutschte nach Kontakt mit Defenderin Lexi Held zur Seite weg. Held, Thomas und DeWanna Bonner stürzten sich auf Clark, während alle nach dem Ball griffen. In dem Moment stieß Thomas ihre Faust in Clarks Nacken, stand auf und schritt über die am Boden liegende Spielerin hinweg. Kein Foul wurde gepfiffen.
White fasst das Problem zusammen: "Das Wichtigste für mich ist, dass wir das in Echtzeit sehen müssen. Natürlich bin ich dankbar, dass die Liga die Möglichkeit genutzt hat, es nachträglich zu überprüfen. Aber solche Dinge dürfen wir in Echtzeit nicht übersehen. Wir müssen besser werden." Sie ergänzte noch deutlicher: "Ich war überrascht, dass die Schiedsrichter das nicht live gesehen haben. Manchmal habe ich den Eindruck, dass alle Schiedsrichter den Ball anschauen und niemand das Spiel beobachtet. Wenn eine Spielerin auf dem Boden liegt, passieren Dinge, die man nicht übersehen darf."
Clark verließ das Spiel im dritten Viertel mit Rückenproblemen und kehrte nicht zurück. White weiß nicht, ob der Kontakt mit Thomas oder ein anderes Foul Sekunden später der Grund für Clarks Verletzung war. Am Freitag wurde Clark für Indianas Spiel am Samstag gegen die Los Angeles Sparks wegen ihres Rückens rausgegeben. Ihr nächstes Comeback haben die Indiana Fever für den 5. Juli gegen die Las Vegas Aces angesetzt, ein Ausfallsfenster von fast zwei Wochen für die zweifache All-Star.
Die Affäre zeigt ein grundsätzliches Problem in der WNBA: Nachträgliche Strafen helfen betroffenen Spielern nicht, wenn sie schon auf der Strecke bleiben. White bringt es auf den Punkt, wenn sie kritisiert, dass Schiedsrichter den Ball verfolgen statt das Spiel zu beobachten. Für deutsche Basketball-Fans, die Clark seit ihrer Zeit in Iowa kennen und verfolgen, ist das besonders ärgerlich, weil Clarks Verletzungsanfälligkeit ohnehin ein Risiko in ihrem Rookie-Einsatz war. Die Frage, wie lange sie ausfällt und ob der Rücken ein chronisches Problem wird, entscheidet über ihre erste WNBA-Saison.