Die Red Raiders haben im vergangenen Jahr etwas geschafft, das in der modernen Big 12 eigentlich unmöglich wirkt: Sie haben einen Conference Title gewonnen und dabei eine klare Hierarchie etabliert. Während andere Programme in dieser Liga traditionell im Drei-Punkte-Abstand durcheinander würfeln, hat Texas Tech unter Coach Joey McGuire etwas anderes aufgebaut. Mit massivem Transfer-Spending und prominenten Portal-Additions haben die Red Raiders ihre Offense und Defense so aufgerüstet, dass sie gegen zehn Big-12-Gegner im Durchschnitt um 27 Punkte gewannen. Besonders beeindruckend: Ab November steigerte sich das Team auf 32 Punkte Vorsprung pro Spiel.
Gegen die großen Rivalen war der Vorsprung erdrückend. BYU und Utah, beide mit exzellenten Kadern für die neue Saison ausgestattet, verloren zusammen gegen Tech dreimal mit einem Combined Score von 97-24. Das ist nicht knapp. Das ist Dominanz. Selbst das Upset gegen Arizona State, das die Red Raiders ohne ihren Starting QB spielten, konnte diesen Gesamteindruck nicht trüben. Beim Blick auf die kommende Saison wird es noch enger für die Konkurrenz: Tech hat auch die Quarterbacks-Position adressiert und sich im Portal verstärkt.
Damit stellt sich für die Big 12 in diesem Jahr eine neue Frage. Jahrelang war der Running Gag dieses Conferences, dass jedes Spiel innerhalb von drei Punkten entschieden wird und grundsätzlich jedes Team einen Title-Run hinlegen kann. Eine Saison macht noch keine Dynastie, das stimmt. Aber Texas Tech hat mit seiner Kadertiefe und Erfahrung aktuell das weitaus talentierteste Roster im Conference. BYU sieht großartig aus. Utah und Kansas State könnten unter neuen Coaches konkurrieren. Oklahoma State wurde neu aufgebaut. Arizona und Houston wollen ihre Surges aus 2025 fortsetzen. Sogar Colorado und West Virginia haben ernst zu nehmende Talent-Zugewinne gemacht. Die Big 12 hat in diesem Jahr wahrscheinlich die besten Transfer-Hauls im ganzen Land.
Aber während all dieser Intrigen wächst in Lubbock ein Behemoth heran. Die Frage für 2026 lautet nicht, ob Tech konkurriert. Sie lautet, wer es schafft, die Red Raiders zu verlangsamen.
Für DACH-Football-Fans ist das relevant, weil Dynastien im College Football rar geworden sind. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass Geld und Portal-Aktivität kurzfristig Erfolg bringen können, aber langfristige Dominanz erfordert auch Coaching und Kultur. Texas Tech unter Joey McGuire scheint beides zu haben. Wer Tech in den kommenden Jahren verfolgt, schaut sich an, wie ein Program in der modernen Ära tatsächlich über mehrere Jahre hinweg Erfolg aufbaut, statt nur zufällig eine gute Saison zu haben.