Verge Ausberry, seit November neuer Athletic Director der LSU, hat diese Woche ein deutliches Signal an seine Trainer gesendet. Im Gespräch mit ESPN betonte der 30-Jahre-Veteran der Universität die Notwendigkeit von Zusammenhalt innerhalb der SEC. Der Anlass: umstrittene Äußerungen von Head Coach Lane Kiffin, die in der Liga für Wirbel gesorgt haben.
Ausberrys Botschaft an die Coaches war unmissverständlich: "Kümmert euch um LSU. Alles dreht sich um LSU." Nicht um frühere Stationen, nicht um die anderen Schools in der Conference. Das Prinzip, das Ausberry vorleben will, funktioniert nach einem klaren Muster. In der SEC sollen alle unter einem Dach agieren. Er zog dabei Parallelen zu anderen großen Organisationen. NASCAR, die NFL, die NBA, sie alle funktionieren als eine Einheit. Die Konkurrenz spielt sich auf dem Platz ab, an Samstagen, bei Basketball-Spielen, Baseball-Wochenenden, bei Track-and-Field-Events. Danach aber müsse die Conference zusammenhalten. "Wenn ihr anfangt, euch zu zerstreuen und euer eigenes Ding zu machen, schadet das der ganzen Conference," sagte Ausberry.
Die Trigger für diese Intervention waren die jüngsten öffentlichen Äußerungen zweier namhafter SEC-Coaches. Lane Kiffin, der vor seiner Zeit an der LSU Head Coach an der Ole Miss war, gab der Vanity Fair ein vierstündiges Interview. Darin beschrieb er, wie Top-Recruits zu ihm sagten, dass ihre Großeltern ihnen nicht erlauben würden, nach Oxford, Mississippi zu ziehen. "Das kommt nicht vor, wenn man von Baton Rouge spricht," erklärte Kiffin. Er berichtete auch, dass Eltern während eines Campus-Besuchs der Universität bescheinigt hätten, dass die Vielfalt dort großartig wirke und es dort keine Segregation gebe.
Darüber hinaus hatte Texas-Coach Steve Sarkisian der USA Today gesagt, dass man an der Ole Miss ein Degree bekäme, wenn man nur "Basket Weaving" belege. Diese Aussage räumte Sarkisian später als "schlechte Wortwahl" ein. SEC-Commissioner Greg Sankey äußerte sich auf den Frühjahrskonferenzen der Liga zum vierten Tag in Folge. Auf die Frage, ob Geldstrafen oder Sanktionen gegen Kiffin oder Sarkisian folgen, wich er aus. "Ich künde öffentliche Verwarnungen nicht von einem Podium an. Ich habe diese Angelegenheiten diese Woche in jedem einzelnen Treffen direkt angesprochen," sagte Sankey.
Trotz dieser Spannungen beschrieb Sankey die Stimmung in der Conference insgesamt als konstruktiv. Die Konferenzen hatten Football-Coaches, Basketball-Coaches beider Geschlechter, Athletic Directors sowie University Presidents und Chancellors zusammengebracht. Der Commissioner sprach von einem starken Konsens darüber, dass die SEC zusammenarbeiten müsse, um Lösungen für die historischen Veränderungen im College Football zu finden. "Die letzten Tage mit der Führungsriege unserer Presidents und Chancellors waren sehr offen, sehr ehrlich, sehr fokussiert darauf, wie wir zusammenarbeiten," resümierte Sankey.
Als einzige offizielle Abstimmung der Konferenzen gaben die Presidents und Chancellors eine gemeinsame Erklärung gegen sogenannte "Pooled Media Rights" ab. Diese Option könnte im neuesten Cruz/Cantwell-Bill greifen, falls 75 Prozent der Schulen dafür votieren würden. Die SEC positionierte sich klar dagegen und betonte, dass die Conference die Fähigkeit bewahren müsse, im besten Interesse ihrer Mitglieder zu handeln.
Ballports-Take: Die SEC erlebt derzeit eine Identitätskrise, die über reine Rivalitäten hinausgeht. Ausberrys Aufruf zur Einheit ist ein Versuch, die reputationalen Schäden zu begrenzen, die durch die öffentlichen Seitenhiebe entstehen. Für deutsche Fans, die die College-Football-Szene verfolgen, ist das ein wichtiges Zeichen: Die großen Conferences setzen sich selbst unter Druck, wenn einzelne Coaches ihre Kollegen öffentlich kritisieren. Das ist nicht nur eine Frage von Anstand, sondern auch von wirtschaftlichem Kalkül. Eine fragmentierte SEC schwächt ihre Verhandlungsposition in Media-Deals.