Cardoso schreibt WNBA-Geschichte mit perfektem Shooting
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Cardoso schreibt WNBA-Geschichte mit perfektem Shooting

CHICAGO - Kamilla Cardoso wusste bereits in der Halbzeitpause, dass dieser Abend etwas Besonderes werden würde. Sie zog ihr Handy heraus und fand dort eine Nachricht von Dawn Staley, ihrer ehemaligen Trainerin an der University of South Carolina. Diese kleine Geste ihrer früheren Coach sollte sich als perfekter Zeitpunkt entpuppen.

Cardoso ging 13 aus 13 vom Feld und setzte damit einen neuen WNBA-Rekord für die meisten verwandelten Field Goals ohne Fehlwurf. Mit 30 Punkten und acht Rebounds lieferte die Center der Chicago Sky eine der dominantesten individuellen Leistungen in der Liga-Geschichte. Sie war erst die zweite Spielerin überhaupt, die in einem Spiel 30 Punkte mit 100 Prozent Feldwurfquote erzielte. Nur Nneka Ogwumike war 2016 mit 12 aus 12 vor ihr.

Die gesamte Sky-Offense funktionierte an diesem Freitag auf einem anderen Level. Chicago besiegte Portland 124-94 und erzielte dabei 38 Assists, ebenfalls ein WNBA-Rekord. Die Mannschaft schoss 66,2 Prozent vom Feld und legte die zweithöchste Punktzahl in einer regulären Partie der Liga-Geschichte vor. Sydney Taylor, die andere Rookie-Sensation der Sky, steuerte 29 Punkte bei und markierte damit ihr drittes 25-Punkte-Spiel der Saison. Das ist auch unter den Neulingen die meisten dieser Art.

Für Cardoso, die 2024 an dritter Stelle gesamtheitlich gedraftet wurde, war diese Leistung auch eine Aussage über mentale Stärke. Manchmal hatte sie mit Selbstvertrauen zu kämpfen, aber an diesem Abend gab es davon kein Anzeichen. "Sie schreibt mir ständig", sagte Cardoso über ihre frühere Coach. "Nur um mir Selbstvertrauen zu geben und mir zu zeigen, dass sie immer hinter mir steht."

Noch bevor Cardoso ihre historische Nacht absolvierte, hatte Chicago bereits einen emotionalen Moment zu verarbeiten. Courtney Vandersloot kehrte nach einem gerissenen ACL zurück auf den Platz. Die fünfmalige All-Star und Franchise-Legende hatte seit Juni des letzten Jahres kein Spiel mehr bestritten, nachdem sie sich nur sieben Spiele in die Saison hinein verletzte. Mit 15 Jahren in der Liga, zwei Meistertiteln und 436 absolvierten Spielen hätte Vandersloot längst abgebrüht sein können. Doch als sie aufstand und zur Scoring Table ging, erhoben sich die Fans im Wintrust Area für eine Ovation.

"Es fühlt sich wie der erste Schultag an", sagte Vandersloot der ESPN. "Sobald ich draußen war, merkte ich: OK, das fühlt sich vertraut an. Selbst wenn ich nicht ein ganzes Jahr raus gewesen wäre, würde ich mich immer noch nervös fühlen. Das bin einfach ich." Die 1,73 Meter große Point Guard brauchte aber nicht nervös zu sein. Sie spielte, als hätte sie die ganze Zeit gespielt, und verteilte sieben Assists bei zehn Punkten. Sky-Trainer James Wade sah es deutlich: "Sie war heute Abend wie nie weg gewesen. Man konnte sehen, dass sie wieder an ihrem Glücksort war." Es brauchte nur etwa 15 Sekunden, bis Vandersloot wieder anfing, ihre Teamkollegen anzutreiben und zu leiten.

Die Sky verbuchen damit das dritte Mal in der Franchise-Geschichte zwei aufeinanderfolgende Spiele mit über 100 Punkten. Das Team hatte sich im Offseason komplett umgebaut, aber beide Parteien – Franchise und Spieler – beschlossen, noch einen Anlauf zusammen zu wagen. Mit Vandersloot, Cardoso und Taylor scheint diese Entscheidung gerade sehr weise auszusehen.

Für deutsche Basketball-Fans ist Cardosos Perfektion-Nacht ein seltener Moment, um WNBA-Basketball auf Top-Level zu erleben. Die Liga ist in Europa noch immer unterrepräsentiert in der Berichterstattung, obwohl Spielerinnen wie Cardoso zeigen, dass die athletischen Standards längst NBA-nah sind. Vandersloot wiederum ist eine der Spielerinnen, die im europäischen Basketball noch einen Namen haben – ihre Rückkehr nach schwerer Verletzung wird in allen Basketball-Communities Interesse wecken. Für ballports ist das ein Zeichen, dass WNBA-Stories auch im deutschsprachigen Raum erzählt werden müssen, nicht nur wegen der Athletik, sondern auch wegen dieser dichten narrativen Momente.

Originalquelle: ESPN / NBAOriginal lesen →
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