Greg Sankey, Kommissar der Southeastern Conference, hat Spekulationen über eine Fusion mit der Big Ten rundheraus zurückgewiesen. In einem Interview mit ESPN-Moderator Paul Finebaum erklärte er, dass es keine Gespräche über einen Zusammenschluss gibt und dass die Vorstellung einer SEC-Big-Ten-Super-League nicht der Wahrheit entspricht. Politiker haben diese Fusionsangst als zentrale Begründung für strenge Regulierung des College Sports ins Feld geführt. Sankey kritisierte zugleich einen überparteilichen Gesetzesentwurf, den die Senatoren Ted Cruz und Maria Cantwell vergangene Woche vorlegten.
Das Gesetzespaket umfasst 111 Seiten und behandelt mehr als ein Dutzend Problemfelder des modernen College Sports. Ein Kernstück wäre eine Neuregelung des Rundfunkgesetzes von 1961, die es Konferenzen erlauben würde, ihre Medienrechte zu bündeln. Sankey und Big-Ten-Kommissar Tony Petitti lehnen diesen Ansatz ab, auch wenn die freiwillige Variante im Entwurf vorgesehen ist. Sankey betonte, dass die SEC eine Unterstützung nicht vorschnell zusagen wird, sondern die Details gründlich analysieren muss.
Cruz hatte behauptet, das Gesetz würde eine Super-League verhindern. Sankey jedoch beschrieb diese Annahme als "Erfindung", ebenso wie Petitti gegenüber Yahoo Sports sprach. Notre-Dame-Athletikdirektor Pete Bevacqua, ein ehemaliger NBC-Manager, gab in einer Senatshörung zu Protokoll, dass eine solche Super-League rund 30 Teams umfassen könnte, sollte es dazu kommen. Er warnte aber: "Ich glaube nicht, dass es dem College Football gut tut, eine Mini-NFL zu werden."
Die ironische Widersprüchlichkeit liegt darin, dass auf einer Ebene über eine Big-Ten-SEC-Fusion spekuliert wird, während die beiden Ligen sich auf der anderen Ebene nicht einmal auf grundlegende Fragen einigen können, etwa zur Größe der künftigen College Football Playoff Expansion. Sankey und Petitti haben über diese Absurdität bereits gelacht. Der SEC-Kommissar räumte ein, dass schnelleres Handeln nötig ist. Er würdigte auch, dass Cruz und Cantwell sich überparteilich zusammengetan haben, um einen Vorschlag zu erarbeiten.
Die Big 12 und die Atlantic Coast Conference haben sich bereits zum Gesetzesentwurf bekannt. Ein wichtiger Unterstützer ist der Texas-Tech-Regent Cody Campbell, ein langjähriger Verfechter der Medienrechte-Bündelung. Campbell argumentiert, dass dies Milliarden zusätzlicher Einnahmen bringen könnte. In einem Interview mit der AP betonte er, dass Gesetzgeber und Branchenvertreter offen für Änderungen sind. Campbell wies aber auch darauf hin, dass diejenigen, die das "Chaos angerichtet haben", nicht automatisch die Lösung bringen sollten.
Ballports-Take: Für deutsche Fans ist dies weniger ein unmittelbares Problem als ein Lehrstück über die amerikanische College-Sports-Krise. Die öffentliche Nebelkerze einer "Super-League" zeigt, wie Political Pressure funktioniert: Politiker nutzen Horror-Szenarien, um Regulierung durchzusetzen. Die SEC und Big Ten sind tatsächlich bereits dominant und größer als je zuvor. Ob ein formaler Zusammenschluss stattfindet oder nicht, ist nebensächlich. Die wirtschaftliche und sportliche Konzentration existiert bereits. Für deutsche Fans bedeutet das: College Football wird immer ungleicher verteilt. Das beste Talentpool konzentriert sich in immer weniger Konferenzen.