Die Seattle Seahawks haben ihre Offensive Line von einer Problemzone zu einer Stärke entwickelt. Das Team, das gerade als Super Bowl LX Champion die Saison 2025 beendete, hielt seine komplette Offensive Line zusammen und verstärkte nur eine Position: Right Guard. Mit jungen Spielern, die sich weiterentwickeln, und einer stabilen Gruppe, die sich kennt, könnte die Linie 2026 noch besser werden als 2025, als sie beim Run-Blocking 72,8 Prozent Win Rate erzielte und beim Pass-Blocking 64,8 Prozent erreichte.
Doch die Rechnung könnte schwer werden. Die Los Angeles Rams holten sich Myles Garrett von den Cleveland Browns. Der regierende AP NFL Defensive Player of the Year brauchte 23 Sacks zum neuen NFL-Rekord 2025, wurde fünftes Jahr in Folge First Team All-Pro gewählt und kommt jetzt zweimal pro Saison in die NFC West. Für Seattle bedeutet das: Die verbesserte O-Line muss gegen den dominantesten Defensive Lineman der Liga bestehen.
General Manager John Schneider hat die Seahawks gezielt aufgebaut. Links Tackle Charles Cross erhielt 2022 einen First-Round-Pick und verlängerte seinen Vertrag 2025 um vier Jahre für 104,4 Millionen Dollar. Right Tackle Abraham Lucas unterschrieb drei Jahre für 46 Millionen. Left Guard Grey Zabel kam 2025 als First-Round-Pick hinzu. Das war nicht immer so. Jahrelang war die O-Line ein großer Schmerzpunkt für Russell Wilson und die Fans.
Die aktuelle Linie ist eine der jüngsten der Liga. Rookie Grey Zabel, Zweijähriger Center Jalen Sundell, Dritter Anthony Bradford bei Right Guard, beide Tackles im vierten Jahr. Diese vier spielten zusammen mit Center Sundell, der vier Spiele wegen Verletzung ausfiel. Josh Jones sprang ein, ersetzte Cross für drei Spiele und wurde neu unterschrieben. Olu Oluwatimi half Sundell auch aus. Alle elf Linemen, die 2025 mindestens einen Snap spielten, sind zurück. Das ist ungewöhnlich.
Dazu bleibt auch Offensive Line Coach John Benton. Als Offensive Coordinator Klint Kubiak zu den Las Vegas Raiders wechselte, wurde über Bentons Abgang spekuliert. Er blieb. Einzige Änderung: Beau Stephens, Fifth-Round-Pick, wurde geholt und von den Seahawks höher bewertet als sein Draft-Slot. Er könnte Anthony Bradford herausfordern.
Schneider hat diese Kontinuität bewusst gepflegt. Er sah in Green Bay, wo er in der Packers-Front aufstieg, wie wertvoll ein stabiles O-Line-System ist. Seattle hat es jetzt aufgebaut. Die Frage ist nur: Reicht es gegen Garrett und die neuen Rams?
Ballports-Take: Deutsche Fans, die die Seahawks verfolgen, erleben gerade ein seltenes Phänomen: eine wirklich gute Offensive Line, die zusammenwächst. Das ist für die Fantasy-Saison 2026 relevant, weil ein stabiler Pass Protection eine Voraussetzung ist, dass der Quarterback Zeit hat und damit auch die Receiver ihre Routes zu Ende spielen. Garrett bei den Rams ist aber auch ein Reminder: Jede O-Line in der NFC West wird dieses Jahr unter Druck stehen. Für Seattle heißt das konkret: Wenn die Linie hält, haben die Seahawks Chancen. Wenn nicht, war die ganze Investition zu früh zu sehen.