Die Geschichte von Brendan Sorsby ist eine der bizarrsten in der jüngeren College-Football-Geschichte. Am 23. Juni 2026 teilte die NFL mit, dass sie keinen Supplemental Draft abhält. Damit war klar: Der Quarterback hat 2026 keine Möglichkeit, in die NFL zu kommen. Das war das Ende einer Saga, die im Januar begann und sich über Monate hinzog.
Sorsby hatte die Saison 2025 bei Cincinnati beendet. 27 Touchdowns, 2.800 Passing Yards, eine starke Bilanz. Im Januar 2026 wechselte er als Top-Transfer zur Texas Tech. Alles sah nach einem großen College-Quarterback aus, der sich für den Draft 2027 in Position bringen würde. Dann kam alles anders.
Anfang April deckte Texas Tech auf, dass Sorsby über eine Gambling-App massiv auf verschiedene Sportarten gewettet hatte. Der Quarterback meldete sich freiwillig in ein Programm gegen Spielsucht an. Wenig später folgte der NCAA-Hammer: Sorsby wurde für nicht spielberechtigt erklärt, weil er auf College- und Profisport gewettet hatte.
Die Zahlen waren beträchtlich. Laut Gerichtsdokumenten, die Ende Mai bekannt wurden, hatte Sorsby mindestens 40 Wetten auf Indiana Football platziert, während er selbst als Quarterback für die Hoosiers spielte. Über vier Jahre verteilt nutzte er Sportbook-Konten, die auf Namen von Familienmitgliedern und Freunden registriert waren, um insgesamt etwa 90.000 Dollar zu wetten. Und er hörte nicht auf, nachdem er zu Texas Tech wechselte.
Sorbys Anwalt, der prominente Antitrust-Anwalt Jeffrey Kessler, strengte mehrere juristische Verfahren an. Die NCAA sei "zutiefst heuchlerisch" in ihrer Position zu Glücksspiel, argumentierte Sorsby in einer Klage. Am 8. Juni bekam ein Richter Mitleid und gewährte eine einstweilige Verfügung, die die NCAA daran hinderte, Sorsby zu bestrafen. Der Weg zurück zu Texas Tech schien frei. Die College-Football-Welt reagierte mit Abscheu. Oklahoma Attorney General Gentner Drummond forderte die Big 12 auf, Sorsby zu sperren. Trainer und Athletic Directors waren "angewidert" und "schockiert".
Mitte Juni beantragte Sorsby dann, in den NFL-Supplemental Draft aufgenommen zu werden. Es war ein Fluchtversuch. Die NFL lehnte ab. Liga-Offizielle erklärten, dass ein Supplemental Draft die Teams während der Vorbereitung auf Training Camps nur ablenken würde. Damit war für Sorsby in diesem Jahr Endstation erreicht. Theoretisch könnte er in der CFL spielen, aber das war offensichtlich nicht der Plan gewesen.
Für deutsche Football-Fans ist Sorsby ein warnendes Beispiel dafür, wie schnell eine vielversprechende Karriere kollabieren kann. Die Kombination aus Spielsucht und den damit verbundenen NCAA-Verstößen hat einen Top-Prospect de facto aus dem System ausgebootet. Interessant ist auch, wie die Rechtssysteme sich widersprechen: Ein Richter sieht die NCAA-Strafe als unverhältnismäßig an, die NFL sieht aber kein Interesse daran, ihm eine offizielle Plattform zu geben. Für Fantasy-Football-Spieler ist Sorsby längst kein Thema mehr. Für College-Football-Beobachter bleibt die Frage, ob und wann er jemals wieder auf einem Top-Level spielen wird.