Die geplante Blockbuster-Transaktion zwischen den LA Clippers und den Toronto Raptors kann nicht abgeschlossen werden, solange die NBA ihre Untersuchung gegen die Clippers fortsetzt. Am 30. Juni einigten sich beide Teams auf einen Deal, der Kawhi Leonard zu den Raptors bringen sollte. Im Gegenzug hätten die Clippers Brandon Ingram, Gradey Dick und mehrere Draft-Picks erhalten, darunter ungeschützte First-Round-Picks für 2031 und 2033 sowie einen First-Round-Pick-Swap für 2027 und zwei Second-Round-Picks.
Doch die Clippers machten eine Bedingung deutlich: Toronto müsse das Risiko aller möglichen Strafen übernehmen, die sich aus Leonards Vertrag ergeben könnten, falls die laufende Ermittlung gegen Los Angeles zu Sanktionen führt. Die NBA prüft, ob die Clippers die Salary Cap umgangen haben, indem sie Geld an Leonard über sein 28-Millionen-Dollar-Endorsement mit dem Fintech-Unternehmen Aspiration leiteten. Besonders brisant: Aspiration hatte gleichzeitig einen 300-Millionen-Dollar-Vertrag über 23 Jahre mit den Clippers selbst. Team-Owner Steve Ballmer investierte 60 Millionen Dollar in Aspiration, dementierte aber, von Leonards Deal gewusst zu haben.
Die Clippers betonten in einer Stellungnahme, dass sie Leonard kein Geld durch Aspiration zuschanzt hätten und stattdessen selbst Opfer eines Betrugs seien, den Joe Sanberg initiiert habe. Sanberg wurde verurteilt und sitzt eine 14-jährige Haftstrafe ab. Die Raptors wiederum äußerten sich optimistisch und erklärten, dass sie «weiterhin die Rückkehr von Kawhi nach Toronto anstreben» und auf eine «schnelle Lösung» für alle Beteiligten hoffen.
Leonard, der gerade 35 Jahre alt wurde, kommt von seiner scoring-stärksten Saison: Er erzielte im vergangenen Jahr 27,9 Punkte pro Spiel für die Clippers in 65 Spielen. Der siebenfache All-Star und siebenmalige All-NBA-Spieler gewann zwei NBA-Meisterschaften, davon eine 2014 mit den San Antonio Spurs, und gilt als einer der besten Defender der Liga.
Für deutsche Basketball-Fans, die die Clippers und ihre Chancen im Western Conference verfolgen, könnte diese Verzögerung erhebliche Auswirkungen haben. Leonard ist das Rückgrat der Clippers-Offense, und eine monatelange Ungewissheit über seinen Status schadet der Planung für die kommende Saison. Die NBA-Untersuchung könnte nicht nur für die Clippers direkt zu Strafen führen, sondern auch ihre Reputation beschädigen. Gleichzeitig zeigt der Fall, wie wichtig unabhängige Oversight in einem System mit komplexen Finanzstrukturen ist.