Philadelphia hat einen neuen Mann für die Basketball-Abteilung. Mike Gansey, 43 Jahre alt und lange Zeit General Manager der Cleveland Cavaliers, soll die Philadelphia 76ers wieder auf Titelkurs bringen. Das ist eine schwierige Aufgabe, das gibt selbst Gansey zu. "Wir sind im Moment kein Championship-Team", sagte er bei seiner ersten Pressekonferenz.
Gansey ersetzt Daryl Morey, der nach der Second-Round-Elimination gegen die New York Knicks in den Playoffs entlassen wurde. Die 76ers waren in der Eastern Conference schnell erledigt, und die Franchise beschloss, einen Neuanfang zu versuchen. Gansey kam gerade von den Cavaliers, wo er seit 2022 als General Manager arbeitete. Mit ihm kommen auch Veränderungen ins Front Office. Jameer Nelson, ehemaliger Star der Saint Joseph's und AP Player of the Year 2004, wird nun General Manager und ersetzt Elton Brand.
Das zentrale Problem, mit dem Gansey kämpfen wird, sind die Verträge von Joel Embiid und Paul George. Der 32-jährige Embiid ist teuer, fragil und nur schwer zu handeln. George ist ebenfalls ein großes Gewicht im Cap Space, aber beide gelten als zu wertvoll, um sie einfach abzugeben. Doch gewinnen die 76ers wirklich einen Titel mit diesen beiden im Kader? Gansey gab bei seinem ersten Tag ehrlich zu, dass er noch keine fertigen Lösungen hat. "Ich bin gerade angekommen", sagte er.
Ein weiterer Schlüsselfaktor im Hintergrund ist Bob Myers, der neue President of Sports für Harris Blitzer Sports & Entertainment, die Besitzer der 76ers. Myers war 12 Saisonen bei den Golden State Warriors und sah dort vier NBA-Titel. Er wird über Gansey stehen und wird bei großen Entscheidungen ein großes Wort mitreden, auch wenn Gansey ihn als "Cheat Code" bezeichnete. Gansey sagte, dass er Trainer Nick Nurse zumindest für eine weitere Saison behalten möchte und dass Nelson, der neue GM, ein wichtiger Punkt bei seiner Übernahme des Jobs war.
Die 76ers haben es seit 2001 nicht mehr bis zu den NBA Finals geschafft und gewannen zuletzt 1983 einen Championship. Gansey muss also nicht nur Embiid und George managen, sondern auch die große Kluft zu den aufstrebenden Knicks schließen. Das ist eine Mission, die am ersten Tag unmöglich zu lösen ist.
Für deutsche Fans, die die NBA verfolgen, ist die Situation der 76ers ein Paradebeispiel für die Komplexität von Front-Office-Struktur. Gansey hat den Titel des Presidents of Basketball Operations, aber Myers sitzt darüber und wird bei großen Trades und Free-Agent-Signings mitentscheiden. Das ist kein ungewöhnliches Modell, aber bei einem Franchise mit so großem Druck und so vielen schwierigen Verträgen könnte diese geteilte Verantwortung zu Konflikten führen. Embiid bleibt ein großes Talent, aber seine Verfügbarkeit und sein Alter sind Risiken, die Gansey schnell adressieren muss.