TEMPE, Arizona. Als die Arizona Cardinals Chase Bisontis in der zweiten Runde des Drafts auswahlten, hatte Head Coach Mike LaFleur sofort eine Vorstellung davon, was mit dem ehemaligenTexas-A&M-Spieler passieren sollte. Bisontis sollte als Guard starten, seiner natürlichen Position. Das ergab Sinn. Die Right Guard Position bei den Cardinals war nicht fest besetzt, und Bisontis, nur zwei Picks nach der ersten Runde gewählt, konnte entweder die etablierten Guards verdrängen oder selbst um den Starting-Job kämpfen. "Chase ist genau das, was man sich bei einem Guard vorstellt", sagte LaFleur am Draft-Abend. "Er kann sich bewegen, kann Gegner blocken, aber am wichtigsten: Er gibt alles bis zum Ende. Das mag man an ihm."
Doch Bisontis' Weg zum Guard war nicht linear. An der Texas A&M University hatte ehemaliger Offensive-Line-Coach Steve Addazio Bisontis aus New Jersey rekrutiert und geschlagen dabei sogar Justin Frye, der damals bei Ohio State war und später selbst zu den Cardinals gehen würde. Addazio sah sofort das Potenzial. Für die Freshman-Saison 2023 verloren die Aggies ihren Starting-Right-Tackle Reuben Fatheree II durch eine Knieverletzung aus dem Vorjahr. Um seine fünf besten Linemen von Anfang an auf dem Platz zu haben, machte Addazio eine mutige Entscheidung: Er setzte den 17, 18 Jahre alten Freshman Bisontis als Starting-Right-Tackle ein. Das war riskant. Week für Week spielte Bisontis gegen Elite-Pass-Rusher der SEC, darunter der 2024-First-Round-Pick Dallas Turner von Alabama.
"Das war hart", gab Addazio später zu. "Du spielst am Edge gegen First-Round-Draft-Picks. Du bist in offenen Räumen unterwegs, ein echter Freshman, 17, 18 Jahre alt. Das ist wirklich schwierig. Aber er hat es geschafft. Und größtenteils hat er es gut gemacht." Addazio sah in dieser Erfahrung einen langfristigen Vorteil. "Ich sagte zu ihm: Das wird dir zehnfach später in deiner Karriere zugute kommen, weil die NFL deine Athletik sehen wird, deine Vielseitigkeit. Du lernst, in offenen Räumen zu spielen. Ich wusste, er ist ein natürlicher Guard, aber jeder in der NFL will Jungs, die Position Flexibility haben."
Doch vor Ende der Freshman-Saison entließ Texas A&M Coach Jimbo Fisher. Addazio folgte kurz darauf. Mike Elko übernahm die Aggies, und Bisontis ging in den Transfer Portal. Der neue Offensive-Line-Coach Adam Cushing verstand die Bewegung. "Er kannte die neuen Leute nicht. Er war durch den Recruiting-Prozess mit einem anderen Coach gegangen."
Ballports-Take: Bisontis zeigt, dass NFL-Scouts Position Flexibility ernst nehmen. Seine Erfahrung als True Freshman gegen Elite-Pass-Rusher macht ihn für die Cardinals wertvoll, falls Verletzungen am Offensive Line entstehen. Für DACH-Fans ist das ein gutes Zeichen: Die Cardinals setzen auf einen athletischen, vielseitigen Lineman, der ihre Offensive Line stabilisiert. Ob Bisontis sich zum Starting-Guard entwickelt oder flexibel einsetzbar bleibt, hängt von der Konkurrenz ab. Aber LaFleur scheint genau die Art von Spieler zu wollen, die langfristig hilft.