Cincinnati hat ein Problem, das sich nicht einfach in einer Statistik erfasst. Die Bengals haben in der vergangenen Saison zwar teure und namhafte Spieler in ihrer Offense, aber die Leistung entsprach nicht dem Investment. Das gilt besonders für Joe Burrow, der neun Spiele verletzungsbedingt ausfiel. Selbst wenn der Quarterback fit war, wirkte die Offense nicht wie eine der dominantesten Einheiten der NFL.
Burrow weiß selbst, wo das Problem liegt. "Es ist kein Geheimnis, dass die letzten Jahre nicht so gelaufen sind, wie wir uns das vorgestellt haben. Da tragen viele von uns Schuld dran, auch ich selbst," sagte der QB in der vergangenen Woche. Die Zahlen untermauern das. Bei neutralen Situationen im ersten Down, wo weder Offense noch Defense einen großen Vorteil haben, war Burrows EPA mit minus 11,4 die schlechteste unter allen Quarterbacks mit mindestens 100 Dropbacks in der Saison 2025.
Ein großer Grund für diese desaströsen Zahlen: defensive Touchdowns. Burrow ist der einzige QB der Liga, dem das mehrfach auf ersten Downs passierte. Zwei Interceptions kosteten ihn das in den Wochen 14 und 18, ein Fumble ebenfalls in Woche 18. Doch auch ohne diese Katastrophen-Spiele zeigt sich ein Muster. Wenn Burrow MVP-Finalist war, wie 2022 und 2024, dominierte er gerade diese neutralen Situationen. Damals rangierte er auf dem ersten Down bei den Quarterbacks an Position drei und fünf.
Offensive Coordinator Dan Pitcher bestätigt das Problem. "Wir haben in diesem Bereich unter unseren eigenen Standards performt. Das ist einer der wenigen Bereich, wo wir nicht das abgeliefert haben, was wir gewohnt sind," sagte Pitcher ESPN diese Woche. Die Explosivität ist das Stichwort. Nur 7,9 Prozent von Cincinnatis Spielzügen waren explosiv, also Läufe von zehn Yards oder mehr beziehungsweise Receptions von 20 Yards oder mehr. Das rangiert die Bengals auf Platz 27 in der Liga.
Während der freiwilligen Offseason-Trainings konzentriert sich Cincinnati jetzt darauf, wieder mehr dieser Big Plays zu generieren, wie sie während der starken Playoff-Läufe 2021 und 2022 typisch waren. Tight End Mike Gesicki machte dabei eine bemerkenswerte Aussage: "Mit den Playmakers, die wir haben, mit den Jungs in diesem Locker Room, glaube ich, dass wir das Potenzial haben, explosiver zu sein. Das gilt nicht nur für die Luft, sondern auch für unser Laufspiel."
Ballports-Take: Für deutsche Bengals-Fans ist das die zentrale Botschaft vor 2026: Das Team sitzt auf enormem Potenzial, nutzt es aber nicht aus. Burrow beweist in MVP-Jahren, dass er auf dem Niveau mit den besten Quarterbacks konkurriert. Wenn Cincinnati tatsächlich wieder mehr explosive Plays findet und Burrow die ersten Downs effizienter gestaltet, könnte die Offense plötzlich wieder wie ein echtes Top-Tier-System aussehen. Für Fantasy-Spieler bedeutet das: Der Upside von Burrow und seinen Receivern ist noch nicht vollständig ausgeprägt. Das ist eher positiv als negativ. 2026 wird zeigen, ob die Bengals diesen Knoten endlich durchhauen können.