Gardner Minshew II hat im Laufe seiner NFL-Karriere gelernt, sich anzupassen. Der Quarterback wechselte im März zu den Arizona Cardinals und ist damit bereits sein sechstes Team in acht Jahren. Was viele als Nachteil sehen würde, hat Minshew in eine Stärke verwandelt: die Fähigkeit, neue Offense-Systeme rasch zu durchschauen.
Bei den Cardinals arbeitet Minshew unter Erstjahres-Headcoach Mike LaFleur an einer Offense, die dem Air-Raid-System ähnelt, das er einst an der Washington State unter dem legendären Mike Leach spielte. Minshew erklärt das Konzept einfach: "Das System funktioniert, weil es auf komplementären Looks und einer Einfachheit basiert, die durch Bewegungen und ähnliche Formationen komplex wirkt. Wir machen nicht viel aus jeder Formation heraus, aber genug, um Zweifel zu säen und dann wirklich gut darin zu werden, was wir tun."
Die Stationen in Jacksonville, Philadelphia, Indianapolis, Las Vegas und Kansas City haben Minshew trainiert, schnell neue Playbooks aufzusaugen. Für ihn ist der Prozess eine Frage der Übersetzung: "Jedes Team hat andere Worte für mostly die gleichen Konzepte. Hier ist die Art, wie sie die Dinge verpacken, sehr schlüssig und funktioniert als System sehr gut."
Diese Vertrautheit mit LaFleurs System geht auf eine ungewöhnliche Begebenheit zurück. 2019 bereitete sich Minshew auf den Draft vor und wollte bei der Senior Bowl in Mobile jeden Vorteil nutzen. Er kontaktierte damals 49ers-Quarterback Nick Mullens und bat um eine Verbindung zu San Francisco's Coaching-Staff. LaFleur war zu dieser Zeit Pass Game Coordinator der 49ers. Was als kurzes Telefonat beginnen sollte, wurde ein etwa vierstündiges Gespräch über FaceTime. LaFleur musste sogar Dinner-Pläne mit seiner Frau absagen.
Acht Jahre später hat sich Minshews Mentalität nicht geändert. Als er die Cardinals unterschrieb, wollte er sofort die komplette Offense verstehen, wie LaFleur erzählt: "Er hat immer noch die gleiche Einstellung. Er liebt es. Das einzige, das sich unterscheidet, ist dass sein Haar vielleicht ein bisschen mehr flattern könnte und er jetzt Vater ist." Minshew selbst sagt, dass dieses Telefonat von 2019 großen Anteil daran hatte, dass er die Chance bei Arizona bekam.
Während der Offseason und der ersten beiden Wochen der OTAs steht Minshew auf Arizonas Depth Chart als höchstrangierter Quarterback. Incumbent Starter Jacoby Brissett hält sich aus dem Training heraus und fordert eine Vertragsumgestaltung. Trotz seiner Vertrautheit mit LaFleurs System muss sich Minshew die Starter-Position erkämpfen.
Ballports-Take: Minshew verkörpert einen Archetyp, der in der modernen NFL seltener wird: den intelligenten, anpassungsfähigen Backup-Quarterback, der jede neue Gelegenheit maximiert. Seine bisherige Karriere zeigt, dass Intelligenz und Lernfähigkeit manchmal wichtiger sind als Talent allein. Für Fantasy-Football-Spieler in Deutschland ist Minshew aktuell nicht relevant, aber die Cardinals-Fans sollten diesen Namen im Auge behalten falls Brissett tatsächlich nicht zum Team zurückkehrt. Eine Offense unter LaFleur mit einem QB, der das System bereits studiert hat, könnte für Arizona offensiv interessant werden.