Als Yaxel Lendeborg 13 Jahre alt war, stand er mit seinen Freunden auf der Couch und verteidigte leidenschaftlich Kyrie Irving gegen Steph Curry. Der Cavaliers-Fan konnte damals nicht verstehen, wie man den Warriors-Star besser finden konnte als seinen Lieblingsspieler. Das war 2016, mitten in der hitzigen Rivalität zwischen Cleveland und Golden State.
Zehn Jahre später sitzt Lendeborg in Brooklyn auf einem Podium, trägt eine Warriors-Mütze und erzählt diese Geschichte. Die Golden State Warriors hatten ihn gerade mit dem elften Pick des Drafts ausgewählt. Der 23-jährige Flügelspieler von der University of Michigan wird Curry ab sofort Kollege sein. "Es ist ein voller Kreis", sagte Lendeborg. "Jetzt kann ich tatsächlich im selben Team spielen, von ihm lernen. Das bedeutet mir viel. Er ist ein sehr großartiger Mensch, eine echte Person. Es wird eine Ehre sein, das zu beobachten, was er jeden Tag macht."
Lendeborg hatte die Gelegenheit, Curry schon kennenzulernen. Im April besuchte er ein Play-In-Spiel zwischen den Warriors und den LA Clippers. In der darauffolgenden Woche trainierte er persönlich mit Golden State vor dem Draft. Beim Gespräch mit Curry kam die alte Geschichte zur Sprache. Das Eis war schnell gebrochen.
Daneben freut sich Lendeborg auf die Zusammenarbeit mit Draymond Green im Frontcourt. Da musste er allerdings einen kleinen Seitenhieb landen. Green stammt von der Michigan State University. "Ich bin nicht besonders ein Fan davon", sagte Lendeborg mit einem Grinsen. "Aber ich freue mich wirklich darauf, ihn persönlich zu treffen und alles von ihm zu lernen."
Lendeborg war nicht immer das sichere Top-Pick-Profil. Im vergangenen Sommer testete er den Draft, entschied sich dann aber, zurück an die University of Alabama in Birmingham zu gehen. Er wechselte zu Michigan und lieferte sofort ab. 15,1 Punkte, 6,8 Rebounds, 3,3 Assists im Schnitt. Er schoss 59 Prozent aus dem Feld. Am Ende wurde er Big Ten Player of the Year und führte Michigan zur nationalen Meisterschaft. Von da an war klar: Das ist kein Flüchtigkeitstalent, das könnte in der NBA sofort spielen.
General Manager Mike Dunleavy betont, dass die Warriors Lendeborg erst beim Combine in Chicago im Mai richtig ernst nahmen. Damals zeigte Lendeborg eine deutlich höhere Reife als noch bei den Pre-Draft-Interviews 2025. Dunleavy beschäftigte sich intensiv mit der Frage, ob das Alter ein Problem sein könnte. Lendeborg wird vor seinem ersten NBA-Spiel 24 Jahre alt. "Er ist 23, fast 24", sagte Dunleavy. "Das macht mir keine Sorgen. Er ist ja nicht 38."
Curry ist 38. Green ist 36. Al Horford, der wahrscheinlich zurückkehrt, ist 40. Das Warriors-Kernteam ist alt, und verletzungsbedingt dünn besetzt. Jimmy Butler rehab eine gerissene ACL. Moses Moody eine gerissene Patellarsehne. Beide werden große Teile der Saison fehlen. Genau darin liegt die Chance für Lendeborg. Ein Draft-Pick an Position elf könnte sofort bedeutende Minuten spielen.
Dunleavy war sich sicher, dass Lendeborg diese Rolle erfüllen kann. "Das Passspiel", sagte der General Manager. "Die defensive Arbeit, ob am Ball oder off-ball. Er verbindet Lineups mit seiner Größe. Er kann innen spielen, außen spielen. Das macht unser Job in der Free Agency einfacher." Lendeborg kann in verschiedenen Positionen ein Frontcourt-Rotation-Spieler sein. Das ist bei einem so verletzungsgebeutelten Team wie Golden State golden.
Für deutsche Basketball-Fans, die die Warriors verfolgen, wird Lendeborg eine interessante Figur. Mit seinem Upgrade bei der Entscheidungsfindung und seiner Fähigkeit, in mehreren Positionen zu spielen, könnte er schneller NBA-ready sein als viele Rookies. In einem Team, das wegen Verletzungen frische Arbeitskraft braucht, hat er echte Chancen auf bedeutende Einsatzzeit. Sein entwicklungs-freundliches Umfeld bei Golden State, unter Curry und Green, spricht für steile Lernkurven. Für Fantasy-Basketball-Spieler könnte das später eine Differenzierungsmöglichkeit sein, wenn er seine Rolle findet.