Candace Parker und Elena Delle Donne, zwei der erfolgreichsten Spielerinnen der WNBA-Geschichte, haben sich deutlich zu Wort gemeldet. Am Freitag sprachen die beiden zweifachen MVP-Gewinnerinnen zusammen mit Trainerin Cheryl Reeve vor ihrer Aufnahme in die Women's Basketball Hall of Fame über ein Problem, das die Liga nicht länger ignorieren kann: die zunehmende Rauheit im Spiel und die unzureichende Reaktion der Schiedsrichter.
Auslöser für die aktuelle Debatte war ein Vorfall vom Mittwoch. Alyssa Thomas von den Phoenix Mercury schlug Caitlin Clark von den Indiana Fever während eines Ballkampfs ins Gesicht, wurde aber vom Schiedsrichtergericht nicht bestraft. Erst nach einer Überprüfung durch die Liga erhielt Thomas ein technisches Foul und eine einspielige Sperre. Das Problem: Die Schiedsrichter hätten diesen Einsatz direkt unterbinden müssen.
Parker, die mit Los Angeles, Chicago und Las Vegas vier Meistertitel gewann, kannte diese Härte aus ihrer Karriere. Sie spielte als Post-Spielerin, bewegte sich aber wie ein Guard über das Feld und musste dabei konstant mit hartem Körpereinsatz rechnen. "Die Härte war schon immer da", sagte Parker. "Aber nur weil wir das durchgemacht haben, heißt das nicht, dass es so bleiben muss. Jetzt haben wir mehr Zuschauer und neue Meinungen, die in das Spiel fließen."
Delle Donne, die ihre Karriere 2023 beendete und während ihrer letzten Jahre mit Rückenproblemen kämpfte, sprach noch deutlicher. Sie hätte sich deutlich mehr Bewegungsfreiheit gewünscht. "Mein Rücken würde mir danken, wenn ich mehr davon gehabt hätte", sagte die ehemalige Spielerin der Chicago Sky und Washington Mystics. Sie betonte: Es geht nicht darum, dass die WNBA weniger Fußball-ähnlich sein soll. Es geht darum, talentierte Spielerinnen spielen zu lassen statt sie nur zu malträtieren.
Cheryl Reeve, Trainerin der Minnesota Lynx, hat diese Forderung schon konkret eingereicht. In den Playoffs der letzten Saison prallte Alyssa Thomas auf Lynx-Forward Napheesa Collier. Collier verletzte sich am Knöchel und fiel aus. Kein Foul wurde gepfiffen. Reeve war so wütend, dass sie die Liga öffentlich attackierte und wurde darauf hin selbst eine Spielsperre erhalten. Thomas war damals nicht das Problem, aber die fehlende Reaktion der Schiedsrichter war es.
Reeve bestätigte, dass Fever-Coach Stephanie White recht hatte, als sie den Thomas-Clark-Vorfall als "eklatant" bezeichnete. Solche Aktionen dürften nicht erst im Nachhinein gerügt werden. "Wir glauben, dass genau diese Aktionen zu den problematischen Momenten und Konflikten in unserer Liga führen", sagte Reeve. "Das ist nicht das Gesicht, das wir haben wollen. Wir haben ein großartiges Basketball-Produkt."
Es gibt auch gute Nachrichten. Reeve betonte, dass die Liga diese Saison insgesamt Fortschritte gemacht hat. Die Kommunikation zwischen Teams und Schiedsrichtern funktioniert besser. "Wir sind eindeutig näher dran", sagte Reeve. Aber näher reicht noch nicht. Die WNBA muss es richtig machen.
Für deutsche Basketball-Fans, die die WNBA verfolgen, ist diese Debatte relevant, weil sie zeigt, wie eine etablierte Liga ihre Kultur verändern kann. Die Forderung ist nicht revolutionär: gleiche Standards für alle, schnelle Entscheidungen statt Überprüfungen im Nachhinein, und der Schutz von Spielerinnen als Priorität. Das sind Lektionen, die auch andere Ligen beherzigen können, wenn sie qualitativ hochwertigen Basketball zeigen und dabei das Verletzungsrisiko minimieren wollen.