Seit Jahren ranken sich Geschichten um den sogenannten Madden-Fluch. Die These ist einfach: Wer es auf das Cover des NFL-Videospiels schafft, dem droht im folgenden Jahr ein Leistungsabfall oder eine hartnäckige Verletzung. Ob da wirklich etwas dran ist, lässt sich schwer sagen. Die bisherigen Daten sprechen eine gemischte Sprache.
Saquon Barkley, im letzten Jahr das Gesicht des Spiels, liefert dafür ein gutes Beispiel. Der Running Back der Philadelphia Eagles sammelte 2025 immer noch über 1.400 Yards aus dem Backfield und erzielte neun Touchdowns insgesamt. Das klingt nach einer guten Saison, war aber ein deutlicher Rückgang zu seinem vorherigen Jahr. Dazu kam: Die Eagles, die Vorjahresmeister, scheiterten in der Wild-Card-Runde an den San Francisco 49ers. Ein Fluch? Oder einfach nur schlechtere Tage?
Christian McCaffrey hingegen bezahlt tatsächlich einen hohen Preis. Nach einer überragenden Saison 2023, in der er Offensive Player of the Year wurde, plagten ihn 2024 schwere Verletzungen. McCaffrey stand für die 49ers nur vier Spiele zur Verfügung und landete zweimal auf der Injured Reserve. Das sieht nach Fluch aus.
Josh Allen wirft ein weiteres Licht auf die Sache. Der Bills-Quarterback kombinierte 44 Touchdowns über alle Wege, aber warf auch eine persönliche Bestmarke von 18 Interceptions. Starke Saison, aber mit deutlichen Schwachstellen.
Woher kommt diese These überhaupt? Ein Blick zurück zeigt: Es gibt Gegenevidenz. Patrick Mahomes auf dem Madden-20-Cover? Der folgte seiner MVP-Saison 2018 direkt mit seinem ersten Super-Bowl-Titel. Tom Brady 2018? 4.500 Passing Yards, 32 Touchdowns. Das sind starke Nummern. Antonio Brown 2019 schließlich vollendete sein Finale bei den Pittsburgh Steelers mit sechs Saisons à über 1.000 Receiving Yards und 15 Touchdowns als persönlichem Bestwert.
Andererseits teilen sich Patrick Mahomes und Tom Brady das Madden-22-Cover, nachdem sie vorher im Super Bowl aufeinandertroffen waren. Beide warfen über 37 Touchdowns, spielten starke Saisons. Aber zurück zum Super Bowl schafften es weder. Lamar Jackson 2021 erreichte zwar nicht mehr die MVP-Form von 2019, warf aber immer noch 26 Touchdown Passes und rannte für über 1.000 Yards.
Caleb Williams, der aktuelle Cover-Star von Madden 26, muss sich damit auseinandersetzen. Der Quarterback der Chicago Bears übernimmt ein Amt, das zuletzt Williams (kein Tippfehler, aber anderem Williams) inne hatte. Schafft er es, den Fluch zu brechen oder wird er selbst zur nächsten Warnung für künftige Cover-Athleten?
Ballports-Take: Der Madden-Fluch ist eher Mythos als Systematik. Verletzte Spieler, Leistungsabfälle und Karrierewenden gab es immer im Profisport, mit oder ohne Videospiel-Cover. Interessant wird es bei Caleb Williams: Als Rookie-Quarterback unter Druck hatte der talentierte Signal-Caller ohnehin mit hohen Erwartungen zu kämpfen. Ob Madden-Fluch oder normale Schwankungen einer jungen Karriere, deutsche Fans sollten den Bears-QB diese Saison beobachten. Für Fantasy-Football-Spieler in der DACH-Region gilt: Williams' Stats-Potenzial ist hoch, aber nicht basierend auf Videospiel-Covern bewerten.