UNCASVILLE, Connecticut - Nach dem 85:75-Erfolg der Indiana Fever gegen die Connecticut Sun musste sich Coach Stephanie White erneut mit Spekulationen über interne Konflikte auseinandersetzen. In der Pressekonferenz nach dem Spiel sprach White ein deutliches Wort: Sie wolle nicht, dass aus Social-Media-Posts und Bot-Accounts Nachrichten konstruiert würden. "Ich denke nicht, dass ihr von Journalismus spricht", sagte White. "Wenn wir weiterhin News aus Fan-Posts oder Social-Media-Bots erfinden, dann haben wir ein Problem. Legitime Nachrichtenquellen sollten legitime Nachrichten berichten."
Caitlin Clark, die Star der Fever, reagierte auf die Fragen nach möglichen Spannungen trocken: "Ich denke, das ist Spekulation. Meinungen. Ich weiß nichts von Reports." Clark spielte am Samstag trotzdem stark auf: 25 Punkte und 5 Assists. Es war bereits ihr 14. WNBA-Spiel in den ersten drei Saisons mit mindestens 25 Punkten und 5 Assists - damit zieht sie mit WNBA-Legende Cynthia Cooper gleich. Zudem war es das dritte Mal in ihrer Karriere, dass Clark in aufeinanderfolgenden Spielen mindestens 25 Punkte erzielte.
Die Fever (8-5 Bilanz) hatten nach einem 4:4-Start Ende Mai eine Serie gestartet. Jetzt gewannen sie drei Spiele in Folge und vier der letzten fünf. Im Commissioner's Cup, dem In-Season-Tournament, stehen sie mit 4:1 noch im Rennen um eine Titelverteidigung. Fünf Spieler der Fever landeten gegen Connecticut in der Doppelziffer.
Das Spiel war nicht ohne Drama. Mit noch 2:30 zu spielen und Indiana mit drei Punkten vorne, bekamen die Fever ein technisches Foul wegen Zeitverzögerung. Clark hatte versucht, den Ball zu fangen und ihn dabei von der Anzeigentafel weg zu treten. "Das Delay-of-Game-Foul ergab keinen Sinn", monierte Clark. "Es wirkte, als wollte Schiedsrichter Tyler Mirkovich sich selbst ins Spiel einbringen. Das war lächerlich." Mit noch 22,2 Sekunden bekam Clark ein zweites technisches Foul. "Ich habe es verdient, aber es war es wert", sagte sie dazu.
Die Fever führten zur Halbzeit mit 11 Punkten, mussten dann aber einen Sun-Angriff abwehren. Sophie Cunningham rettete die Partie mit einem starken vierten Viertel: Sie erzielte alle ihre 11 Punkte nach der Halbzeitpause. Es war bereits das vierte Spiel in Folge, in dem Indiana eine zweistellige Führung aufgeben musste - doch mit 3:1 in solchen Situationen ist die Bilanz überraschend gut. Defensiv hielten die Fever durch: Bei unter 80 zugelassenen Punkten sind sie 6:0, ohne dieses Ziel sind sie nur 2:5.
Coach White deutete an, dass die Fever an Stabilität gewinnen: "Ich denke, unsere Fehlwürfe haben uns vielleicht etwas in der Verteidigung beeinträchtigt. Aber der Fokus war nicht weg wie in anderen Spielen. Die Phasen der Schwäche werden kürzer, und das ist wichtig." Clark pflichtete ihr bei: "Wir haben heute viele einfache Würfe verpasst. Diese Punkte hätten uns geholfen, den Vorsprung zu halten, statt ihn selbst so schwer zu machen."
Die Sun (2-13) erlebten dagegen ihren schlimmsten Start durch 15 Spiele in der Franchise-Geschichte. Beste Scorerin war Olivia Nelson-Ododa mit 12 Punkten.
Für deutschsprachige Fans, die Clark verfolgen, ist die Geschichte beruhigend: Trotz allem Trubel um die junge Superstartin zeigt die Fever, dass sie Spielkontrolle lernt. Clark spielte zwar nicht spektakulär wie zuletzt, bewies aber Führungsqualitäten. Ihre 14. Spiel-Performance in der Kategorie 25 Punkte und 5 Assists bestätigt, dass sie nicht nur eine Offensive-Maschine ist, sondern auch Assists verteilt. Für die geplanten WNBA-Spiele in Europa ist solch mentale Stabilität unter Druck genau das Signal, das zählt.