Justin Herbert arbeitet in dieser Offseason an grundlegenden Änderungen seiner Wurftechnik. Der Quarterback der Los Angeles Chargers konzentriert sich unter seinem neuen Offensive Coordinator Mike McDaniel auf eine deutlich schnellere Ball-Abgabe, um weniger Zeit für die Entwicklung von Spielzügen zu benötigen.
Am Dienstag absolvierte Herbert sein OTA-Training zunächst ohne echten Football. Stattdessen warf er mit einem beschwerten grünen Trainingsballs, während er seine Wurf-Bewegungsabläufe und Footwork-Drills verfeinerte. In den kommenden Wochen wird Herbert einen Tag pro Woche ausschließlich der Fußarbeit widmen, ohne dabei zu werfen. Die mechanischen Unterschiede sind dabei erheblich. McDaniel möchte, dass die Ball das Zentrum deutlich früher verlässt als bisher üblich.
Der Kern von McDaniels Philosophie liegt in der Antizipation. Herbert soll lernen, sich nicht vollständig auf seine Armstärke zu verlassen, sondern Pässe so schnell zu spielen, dass die Receiver die Ball teilweise noch gar nicht gesucht haben. Das ermöglicht ihnen maximale Kontrolle beim Fangen und mehr Zeit, bevor Defender herannahen. Herbert erklärte: "Wir haben die ersten Wochen wirklich darauf konzentriert, den Ball so schnell wie möglich rauszubringen. Fast zu einem Punkt, wo die Receiver noch nicht mal nach hinten schauen."
McDaniel präsentierte Herbert kurz nach seiner Anstellung eine umfangreiche Analyse. Die Präsentation zeigte mehrere hundert Plays aus Herberts Karriere und McDaniels früheren Offensen, um zu demonstrieren, wie bestimmte Konzepte anders hätten ausgeführt werden können. Herbert war beeindruckt von der Tiefe dieser Vorbereitung und der klaren Vision seines neuen Coordinators.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Nach ESPN Research warf Herbert in der vergangenen Saison sechs Touchdowns bei nur drei Interceptions, wenn er den Ball innerhalb von 2,4 Sekunden freigab. In der Zone zwischen 2,4 und 3,5 Sekunden fiel seine Effizienz deutlich ab. McDaniel konzentriert sich deshalb gezielt darauf, Herberts Stärken in diesem engen Zeitfenster zu maximalisieren. Während der Trainingseinheiten achtet McDaniel kaum auf den Ball selbst, sondern beobachtet intensiv die Fußarbeit und die Timing der Quarterbacks. Er feiert, wenn die Ausführung seinen Anforderungen entspricht.
Herberts letzte Saison war körperlich belastend. Er war der meistgetroffene und am meisten unter Druck gesetzte Quarterback der gesamten NFL, was vor allem an der schwachen Offensive Line der Chargers lag. Herbert räumt jedoch ein, dass viele dieser Treffer auch seine eigene Verantwortung waren, da er zu lange an den Ball hielt, um Plays zu entwickeln. Mit der neuen Mentalität und der Rückkehr der Pro-Bowl-Tackles Rashawn Slater und Joe Alt verspricht sich Herbert erhebliche Verbesserungen. Er vertraut McDaniels Verständnis für das Spiel und dessen Fähigkeit, den Pass Rush durch schnelle Ballabgabe zu neutralisieren.
Ballports-Take: Herbert hatte zuletzt unter einer der schlechtesten Offensive Lines der NFL zu leiden, was seinen ohnehin fragilen Körper zusätzlich belastete. McDaniels fokussiert auf schnelle Entscheidungen statt auf lange Entwicklungszeiten, das ist eine intelligente Anpassung an die Realität vor Ort. Wer Herbert in Fantasy-Leagues hält oder pickern will, sollte diese mechanischen Anpassungen im Auge behalten. Ein QB mit schnellerer Release und besserer Schutzarbeit kann Fantasy-Output stabilisieren. Für DACH-Fans: Die Chargers spielen 2026 in München, Herbert könnte bis dahin ein anderer Quarterback sein.