Ryan Day von Ohio State und Dan Lanning von Oregon sprechen sich deutlich für ein 24-Team-Playoff-Format aus. Beide Trainer äußerten sich auf den Big-Ten-Frühjahrsmeeting in Rancho Palos Verdes für eine Expansion des aktuellen 12er-Systems, das die Big-Ten-Konferenz zuerst im Sommer vorgeschlagen hatte und das inzwischen auch außerhalb der Liga an Fahrt gewinnt.
Days Position ist differenziert. Er räumt ein, dass Ohio State als etablierte Elite-Mannschaft von einem größeren Playoff nicht zwangsläufig profitiert. Die Buckeyes haben sich schließlich bereits in der BCS-Ära und in beiden Versionen des College Football Playoff durchgesetzt, unter anderem mit zwei Siegen gegen Oregon im direkten Vergleich. Doch Day sieht den Mehrwert für die Konferenz und den gesamten College Football. Ein 24er-Playoff würde mehr Fan-Basen bis zum Ende der Saison im Wettbewerb halten. Das ist entscheidend, weil die aktuelle Struktur das Selbstverständnis ganzer Programme unter Druck gesetzt hat. Trainer, die es nicht ins Playoff schaffen, gelten automatisch als gescheitert. Lanning bringt einen noch größeren Punkt ein: Das College Football Playoff hat alle anderen Bowl Games entwertet. Die Saison-Struktur hat sich fundamental verschoben.
Lanning vergleicht ein 24er-System mit dem March Madness im Basketball, jenem Frühjahrs-Spektakel, das Millionen von Zuschauern begeistert. Die größere Chance für kleinere oder weniger traditionelle Programme könnte College Football ähnlich vitalisieren. Beide Trainer erkennen an, dass ein 24er-Playoff selbst mit Freilos für die Top 8 einen längeren und schwerer erkämpften Weg zum Titel bedeutet. Day veranschaulicht den Unterschied: Bei vier Teams brauchte man nur zwei Siege. Nun kommt es auf eine größere Arena an, auf mehr Spiele, mehr Variablen.
Ein Kernargument gegen größere Playoffs war bislang die Befürchtung, dass Top-Teams ihre Starter schonen könnten wie in der NFL. Day und Lanning halten das für unwahrscheinlich. Das Seeding hätte enorme Auswirkungen. Der Unterschied zwischen dem ersten und dem vierten Seed ist erheblich, ebenso zwischen Platz 1 und Platz 5 oder 8. Mit 24 Teams im Feld würde eine Niederlage im späteren Saisonverlauf die Seeding-Position dramatisch beeinflussen. Das schafft permanenten Anreiz, das beste mögliche Ranking zu erreichen. Zwar räumt Lanning ein, dass Starter-Ruhe theoretisch noch vorkommen könnte. Die praktische Wahrscheinlichkeit ist aber deutlich niedriger als im NFL-Modell, wo der Unterschied zwischen vier und fünf für die Wilde Karte nicht annähernd so groß ist.
Ballports-Take: Ein 24er-Playoff könnte die College-Football-Landschaft für europäische Fans interessanter machen. Bislang ist das System für Außenstehende schwer zu durchschauen, und viele Teams haben erst nach Wochen der Spekulation Gewissheit über ihre Playoff-Chancen. Ein größeres Feld mit klarerem Seeding-System würde die Saison transparenter machen. Für DACH-Fans, die zum Beispiel über München 2026 intensiver in den College Football hineinwachsen, wäre das von Vorteil. Die Aussage von Lanning zu March Madness ist auch relevant: Wer Basketball kennt, weiß wie spannend ein großes Turnier mit vielen Teams sein kann. College Football könnte das gleiche Momentum erreichen.