Die NBA-Offseason ist in vollem Gange. Nachdem die New York Knicks die San Antonio Spurs in den Finals geschlagen haben, treffen Teams ihre Entscheidungen vor dem Draft. CJ McCollum kehrt zu den Atlanta Hawks zurück und unterzeichnet einen Einjahresvertrag über 21 Millionen Dollar.
McCollum spielte in der vergangenen Saison eine überraschend wichtige Rolle für Atlanta. Die Hawks legten nach dem All-Star Break deutlich zu, und in der Rückschau könnte McCollum der wertvollste Spieler der Hawks in den Playoffs gewesen sein. Er schaffte etwas, das in der gesamten NBA sonst niemand hinbekam: Er erzielte spielentscheidende Körbe in der Schlussminute aufeinanderfolgender Spiele und besiegte die Knicks damit mehrfach in dieser Postseason.
Das war nicht unbedingt das Ziel, als McCollum nach Atlanta kam. Im Trade um Trae Young war er hauptsächlich hinzugefügt worden, um Youngs Gehalt auszugleichen. Doch McCollum passte überraschend gut in Atlantas unkonventionelle Position und spielte mit Dyson Daniels, Nickeil Alexander-Walker, Jalen Johnson und Onyeka Okongwu. Diese Fünfer-Kombination erzielte eine Plus-21,4-Net-Rating, was den zweiten Platz unter allen Lineups mit mindestens 500 Possessions bedeutete. Die größere Stichprobe mit McCollum, Alexander-Walker und Johnson zeigte immer noch eine respektable Plus-14,5-Net-Rating.
McCollums Flexibilität auf und neben dem Ball macht ihn für Atlantas Offense wertvoll. Er kann das Spiel selbst orchestrieren, sich Johnson unterordnen, der nach Youngs Abgang zum Assist-Leader wurde, oder einen jungen Point Guard anleiten, falls Atlanta einen mit dem achten Pick des Drafts nimmt. Das alles erinnert an seine Jahre an der Seite von Damian Lillard bei den Portland Trail Blazers.
Finanziell ist der Deal für Atlanta praktisch risikofrei. McCollums Gehalt sinkt von 30,7 Millionen Dollar auf 21 Millionen in der kommenden Saison. Das bewahrt den Hawks erhebliche Flexibilität für ihre langfristige Planung, wie ESPN-Analyst Bobby Marks beschrieb. Und weil es nur ein Jahr ist, muss Atlanta sich nicht auf lange Sicht an McCollum binden, wenn sein Leistungsrückgang sich beschleunigt. Mit 35 Jahren zum Saisonstart mag McCollum außerhalb seines Primes sein, aber es gilt: Es gibt fast keinen schlechten Einjahresvertrag.
Für deutsche Hawks-Fans und Basketball-Interessierte ist das eine solide Nachricht. McCollum ist ein etablierter Spieler, der Playoff-Erfahrung mitbringt und in den kritischen Momenten der Saison getroffen hat. Atlanta baut mit dieser Konstellation auf bewährte Chemie, statt komplett umzukrempeln. Mit jungen Spielern wie Johnson und Okongwu, die noch im Aufstieg sind, könnte McCollum der Anker sein, der Atlanta im nächsten Jahr stabilisiert. Die Hawks befinden sich in einer guten finanziellen Position, um auch noch andere Moves zu machen, ohne sich langfristig zu verpflichten.