James Dolan sagte es laut aus, mitten in einer 2-9-Serie im Januar. Der Besitzer der New York Knicks verkündete auf dem Radiosender WFAN, was niemand sonst zu träumen wagte: "Wir wollen in die Finals kommen, und wir sollten die Finals gewinnen." Die Liga reagierte mit Schulterzuckend. Diese Mannschaft? Diese Stars? Dieser Trainer? Das war nicht der Plan, den man von außen sah. Doch genau das passierte. Die Knicks schafften, was jahrelang unmöglich schien: Sie verbanden ihre moderne Offensive mit klassischer Playoff-Zähigkeit und gewannen am Ende mit fünf Spielen gegen die aufstrebenden San Antonio Spurs. Der erste Titel seit 53 Jahren war Realität.
Jalen Brunson, der 1,88-Meter-Guard, sollte nie das Fundament eines NBA-Champions bilden. Karl-Anthony Towns, per Blockbuster-Trade verpflichtet und oft als zu zart für die Defensive kritisiert, sollte nicht vorne ankern können. Mike Brown, viermal gefeuert und in seiner eigenen Liga unterschätzt, sollte nicht die Antwort sein. Und Tom Thibodeau zu ersetzen, Knicks-Coach mit eiserner Hand, durch den gemütlicheren Brown sollte schiefgehen. Nichts davon traf ein. Die Knicks hatten sich über Jahre an etwas gewöhnt, das die meisten Contender erst spät entwickeln: kollektive Ausdauer. Eine Top-5-Offense im modernen Spiel, eine Top-10-Defense, und die Flexibilität, das System anzupassen, ohne dem Point Guard seinen Raum zu nehmen, wenn es im vierten Viertel zählte. Als die Finals begannen, war Ausdauer längst ihre Superpower geworden.
Die Spurs kamen dominant an. Anthony Edwards, Star der Minnesota Timberwolves, gratulierte ihnen schon im vierten Viertel des Conference-Semifinals. Shai Gilgeous-Alexander, zweimaliger MVP und Anführer der Oklahoma City Thunder, war in Spiel 7 der Western Conference Finals dermaßen erschöpft, dass er im entscheidenden vierten Viertel nur zwei Würfe warf. San Antonio wirkte unaufhaltsam. Bis zum Finals-Matchup gegen die Knicks.
Leon Rose, Präsident der Knicks, spricht selten mit der Presse. Er erklärt nicht, er nimmt nicht öffentlich Stellung, er baut einfach. Die größte Erklärung zu Thibedeaus Entlassung im Juni kam erst sechs Monate später, aus Dolans Mund. Roses Team-Building unterschied sich fundamental von aktuellen Champions. Oklahoma City baute durch den Draft. Boston baute durch den Draft. San Antonio baute durch den Draft. Die NBA belohnt diese Geduld. Rose hatte keine. Nur Mitchell Robinson und Miles McBride stammten aus Knicks-Drafts in Roses Rotation. Josh Hart kam von woanders. Der Kern entstand durch Trade und Free Agency. In einer Liga, die den Draft bevorzugt, baute Rose eine Championship mit dem entgegengesetzten Plan.
Dolan wollte Finals, Rose wollte gewinnen, und am Ende standen die Knicks dort, wo sie 1973 das letzte Mal waren. Der Cheftrainer, der nicht ideal gepasst hatte, war genau der richtige. Der Point Guard, der das Zentrum hätte sein sollen, führte mit unsichtbarer Hand. Der Center, der zu weich sein sollte, verankerte einen der besten Titelverteidigungen im modernen Basketball. Die Knicks begruben fast ein Jahrhundert an Frustration in fünf Spielen gegen San Antonio. Manchmal gewinnt nicht der Plan, der am schönsten aussieht. Manchmal gewinnt derjenige, der am längsten standhält.