Im exklusiven Anantara Resort von Rancho Palos Verdes versammelten sich die Big-Ten-Trainer zu ihren jährlichen Frühjahrsmeeting. Die Kulisse war bewusst gewählt: drei nationale Meisterschaften waren prominent ausgestellt, alle aus dem Big Ten dieser Saison. Indianas Football-Trophy neben den Basketball-Titeln von UCLA und Michigan. Nach drei aufeinanderfolgenden Football-Meisterschaften hat die Conference nun ein klares Ziel bei der Umgestaltung des College Football.
Der Big Ten will die Sport-Öffentlichkeit neu informieren. Während die SEC ihre jährlichen Meetings in Florida nach Memorial Day seit Jahren massiv medial inszeniert, war der Big Ten lange hinter verschlossenen Türen unterwegs. Jetzt ändert sich das. Washington-Trainer Jedd Fisch bat die Ligaführung, Reporter zu den Meetings einzuladen. Er zählte die letzten sechs Football-Teams auf, die um die nationale Meisterschaft gespielt haben: Washington, Michigan, Ohio State, Notre Dame, Indiana und Miami. Keines davon spielt in der SEC. "Wenn wir das nicht ausdrücken, wird es für die Nation viel schwerer sein zu verstehen, wo wir herkommen", sagte Fisch.
Das zentrale Thema ist ein 24er College Football Playoff. Die Idee kam vor weniger als einem Jahr aus dem Big Ten, hat aber mittlerweile auch ACC und Big 12 für sich gewonnen. Big-Ten-Commissioner Tony Petitti ist offensichtlich das Gesicht dieser Reform. Minnesota-Trainer P.J. Fleck erklärte die breite Unterstützung: Ein 24er-Playoff würde November-Spiele wieder bedeutsam machen, wenn Teams noch nicht bereits eliminiert sind. "Das hat gewaltigen Rückhalt", sagte Fleck, "besonders weil alle 18 Head Coaches des Big Ten dahinterstehen. Wenn 18 von 18 sich auf etwas einigen, spricht das Bände."
Die Reform hätte Konsequenzen. Conference-Meisterschaften müssten wegfallen. Die Saison sollte in Week 0 beginnen. Der Saisonabschluss müsste auf die erste Januar-Woche vorgezogen werden, statt wie geplant auf den 25. Januar 2027. Ohio-State-Trainer Ryan Day war deutlich: "Die Saison muss vorgezogen werden. Wir müssen alles in der ersten Januar-Woche erledigt haben, damit die Season wieder Sinn macht."
Ein anderes Thema erhitzte die Gemüter: eine neue Punting-Alignment-Rule, die diese Saison verabschiedet wurde. Die Big-Ten-Trainer lehnen sie ab und halten sie für praktisch nicht zu pfeifen. Ihr Vorschlag: College Football braucht ein eigenes Competition Committee wie die NFL, um solche Regelfragen besser zu navigieren.
Ballports-Take: Der Big Ten signalisiert klar, dass er die Zukunft des College Football mitgestalten will und nicht den SEC hinterherlaufen möchte. Die 24er-Playoff-Idee ist sportlich logisch, weil sie Teams auch im November noch Chancen gibt. Für deutsche Fans, die 2026 in München oder 2027 in Berlin Big-Ten-Football live sehen wollen, sind das positive Signale. Eine komprimierte Saison bis Anfang Januar würde auch den internationalen Fußball-Kalender weniger durcheinanderbringen. Die nächste Frage ist, ob die SEC diese Pläne mittragen wird oder eigene Wege geht.