LeBron und die Lakers: Eine Ehe in der Krise
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LeBron und die Lakers: Eine Ehe in der Krise

Mit Eisbeuteln um beide Knie und Flip-Flops an den Füßen verließ LeBron James am 31. März die Umkleidekabine der Los Angeles Lakers. Das Team hatte gerade die Cleveland Cavaliers mit 127:113 geschlagen, ein Sieg, der umso bedeutsamer war, weil die Lakers eine demütigende 30-Punkte-Niederlage gegen dieselben Cavs im Januar wettmachen konnten. In den 32 Tagen davor hatte Los Angeles eine beeindruckende Serie von 16:2-Siegen hingelegt und sich damit oben in der Western Conference festgesetzt. Für James persönlich markierte dieser Sieg seinen 1.229sten Karrieresieg und katapultierte ihn an Kareem Abdul-Jabbar vorbei: Kein Spieler in der NBA-Geschichte hat mehr Spiele gewonnen, wenn man Regular Season und Playoffs zusammenrechnet.

Doch die gute Laune verflog schnell. Trainer JJ Redick hatte die individuellen Leistungen in der Kabine gefeiert, und dann trat Rob Pelinka vor, der Präsident der Lakers' Basketball Operations. Der General Manager hielt den Spielball in der Hand. Statt ihn James zu geben, oder Rui Hachimura, oder Luka Doncic, überreichte Pelinka ihn Redick, der gerade seinen 100sten Coaching-Sieg erreicht hatte. Zwar hat James nach Aussagen von Vertrauten ein "großartiges" Verhältnis zu Redick und hält seine Verpflichtung sogar für eine der wenigen Dinge, die die Lakers richtig gemacht haben. Aber für den 41-Jährigen, der acht Saisons in Los Angeles gespielt und 2020 den 17sten Championship der Franchise geholt hatte, war Pelinkas Geste ein weiteres Signal: Die Lakers nehmen ihn nicht ernst.

Besonders stechend war das, weil James in den vergangenen Wochen bewusst einen untergeordneten offensive Rolle angenommen hatte, während Doncic und Austin Reaves die Bälle bekamen. Das war ein fast beispielloses Szenario für einen Spieler von James' Format, zumal er trotzdem noch ins All-Star-Team seiner Rekord-breaking 23sten Saison gewählt worden war. Für den Mann, der fast zehn Jahre lang das Gesicht der Franchise war, war das ein enormes Opfer. Ohne sich auch nur umzuziehen, marschierte James in die Nacht Los Angeles' hinaus.

48 Stunden später kam die Katastrophe. Im Spiel gegen Oklahoma City zog sich Reaves in der ersten Halbzeit einen Schmerz an der linken Schrägen ab. Doncic verletzte sich in der zweiten Halbzeit am linken Hamstring. Die Thunder zerstörten die Lakers mit 43 Punkten Vorsprung. Mit weniger als zwei Wochen bis zu den Playoffs musste James wieder zurück in seine alte Rolle: der balldominierende Star, von dem die Lakers signalisiert hatten, dass sie ihn nicht mehr brauchten.

Der 41-Jährige führte die Lakers zu drei aufeinanderfolgenden Siegen zum Ende der Regular Season, sicherte sich den 4. Seed und ein Matchup gegen die Houston Rockets in der ersten Runde. Mit Doncic verletzungsbedingt komplett fehlend und Reaves erst ab Game 5 wieder zurück, stand James tatsächlich allein. Und doch führte er die massiv unterbesetzten Lakers in sechs Spielen gegen Houston. Ein Vertrauter beschrieb es so: "LeBron was the last man standing." Die Saison endete dann mit einem Sweep durch die top-seeded Thunder.

Ballports-Take: James' Geschichte mit den Lakers ist jetzt eine offene Frage. Ein 41-Jähriger, der im Alleingang eine unterlegene Mannschaft durch die Playoffs peitscht, verdient mehr als die implizite Botschaft, dass er austauschbar ist. Für deutsche Fans, die James über seine Jahre in Miami und Cleveland schon verfolgt haben, zeigt sich hier ein Klassiker: Ein Superstar, der merkt, dass sein Team lieber ohne ihn planen will, während er auf dem Court noch immer Siege erzwingt. Die kommende Offseason wird zeigen, ob die Lakers verstanden haben, was sie an ihm haben, oder ob James wirklich gehen wird.

Originalquelle: ESPN / NBAOriginal lesen →
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