San Antonio war erneut dominant, die Minnesota Timberwolves standen mit dem Rücken zur Wand. Nach der 97:126-Niederlage in Spiel 5 der zweiten Playoff-Serie gegen die 62-Siege-Spurs lag der Titelverteidiger hinten. Doch Anthony Edwards sprach im Anschluss nicht wie jemand, dessen Team in der Sackgasse sitzt. "Niemand in unserem Locker Room macht sich Sorgen," sagte der Wolves-Star selbstbewusst. "Es gibt noch ein Basketballspiel. Wir ziehen unsere Stiefel an und gehen in den Krieg."
Die Spurs hatten in San Antonio wieder überzeugend gespielt. Sie führten bereits nach dem ersten Viertel deutlich und schrieben in allen vier Abschnitten an. Die letzten beiden Heimspiele hatten die texanischen Gäste zusammen mit insgesamt 67 Punkten gewonnen. Für Minnesota begann schon früh der Alptraum. Victor Wembanyama war nach seiner Schlag-Eskapade gegen Naz Reids Kinn in Spiel 4 nicht gesperrt worden, sondern durfte spielen. Ein Fehler für die Wolves. Der junge Spurs-Star kam konzentriert und aggressiv aus der Kabine und hämmerte floaters und dreier aus unmöglichen Winkeln rein. In seinen ersten sieben Minuten auf dem Platz sammelte er 16 Punkte und fünf Rebounds und führte sein Team zu einer 24:11-Führung. "Das, was Wemby da gemacht hat, kann man einfach nicht verteidigen", beschrieb Edwards die Qualität von Wembanyamas Offensivspiel. "Man kann nur hoffen, dass er seinen nächsten Wurf verfehlt."
Minnesota arbeitete sich Stück für Stück heran. Jaden McDaniels senkte gleich dreimal aus der Distanz, Edwards selbst legte 20 Punkte auf. Mit noch 7:51 im dritten Viertel stand es 61:61. Dann kollabierte die Wolves-Verteidigung. "Wir haben aufgehört, das zu spielen, das funktioniert hatte", analysierte Trainer Chris Finch später. "Unsere Defense ist dann zusammengebrochen. Wir haben 30 Punkte in den letzten sechs Minuten des dritten Viertels zugelassen. Viel davon war fehlende Ballkontrolle."
Trotz 20 Wälfte- und Angriffszügen in der Serie zeigte sich Julius Randle unscharf. Im fünften Spiel versenkte er nur 6 von 17 Würfen. Über die gesamte Serie hinweg steht der Power Forward nun bei einer Quote von 26 aus 71 versuchen, also nur 36,6 Prozent, obwohl er in der Regular Season noch 48,1 Prozent getroffen hatte. Ein anderes Problem war für Finch aber noch drängender: McDaniels saß wieder auf der Bank wegen Fouls. Er hatte fünf Fouls gesammelt und musste die Bank drücken, während die Wolves um 17 Punkte in den 18 Minuten seiner Abwesenheit einbüßten. "Alles dreht sich um Jaden McDaniels und darum, ihn aus Foulproblemen herauszuhalten", sagte Edwards. "Er ist so wichtig für unser Team. Es verletzt jeden, wenn er in Schwierigkeiten gerät. Es werden harte Calls gegen ihn gepfiffen. Das können wir nicht viel daran ändern."
Die Spurs hatten zudem eine taktische Antwort gefunden. Sie legten Edwards 20-mal doppelt besetzt an. Gegen diese Defensive ging Minnesota nicht effizient vor: 6 aus 15 Würfe, fünf Turnover, nur 13 Punkte aus 20 Ballbesitze. Edwards selbst kam deshalb zu nur 13 Versuchen, nachdem er in den vorherigen beiden Heimspielen 22 und 26 Würfe geworfen hatte. Seine Knie verursachten Schmerzen, und Edwards spielte die letzten drei Spiele mit 41, 40 und 39 Minuten. Man sah dem Star gegen die athletischen Spurs teilweise an, wie erschöpft er war.
Doch es gibt Hoffnung für Minnesota. Zwei Tage Pause liegen nun zwischen Spiel 5 und Spiel 6 in Minnesota am Freitag. Für eine Serie ohne längere Verschnaufpausen war das die einzige verlängerte Pause. "Ich bin so glücklich darüber", sagte Edwards. "Ich freue mich riesig auf zwei Tage Erholung."
Ballports-Take: Edwards' Selbstvertrauen ist bemerkenswert, aber auch nötig. Die Wolves spielen derzeit gegen einen der besten Teams der Saison, und die defensive Fokussierung auf Edwards zeigt, dass San Antonio ihn ernst nimmt. Für deutsche Fans ist dieser Punkt wichtig: Wenn Minnesota noch in dieser Serie nicht kollabiert, dann hat Edwards gezeigt, wie wichtig pure Willenskraft und mentale Stabilität in solchen Momenten sind. Die nächsten 48 Stunden sind für die Wolves entscheidend. Edwards muss regenerieren, McDaniels muss auf der Bank bleiben können, und Randle muss wieder treffen. Nur wenn alle drei Punkte stimmen, haben die Timberwolves in Spiel 6 eine Chance.