Die NAACP hat eine Kampagne gestartet, die schwarze Athleten und Fans auffordert, die Sportprogramme öffentlicher Universitäten in bestimmten US-Bundesstaaten zu boykottieren. Der Grund: Diese Staaten schränken nach Ansicht der Bürgerrechtsorganisation die Stimmrechte schwarzer Wähler ein. Die Kampagne trägt den Namen "Out of Bounds" und richtet sich an potenzielle schwarze Athleten, ihre Familien, Alumni und Fans. Sie sollen ihre "sportliche und finanzielle Unterstützung" von großen öffentlichen Universitäten in Bundesstaaten zurückhalten, die "Black Voting Representation begrenzen, schwächen oder auslöschen".
Im Visier der NAACP sind sieben Bundesstaaten: Alabama, Florida, Georgia, Louisiana, Mississippi, Texas und South Carolina. Die Organisation argumentiert, dass die Sportprogramme dieser Staaten überproportional von schwarzem Football- und Basketball-Talent abhängen. NAACP-Präsident Derrick Johnson betont, dass diese Programme jährlich Hunderte Millionen Dollar Umsatz generieren durch nationale TV-Rechte, Alumni-Spenden, Merchandising und Ticketverkäufe. "Black athletes sollten nicht gebeten werden, Reichtum und Macht für Staatsuniversitäten zu schaffen, während diese Staaten gleichzeitig die politische Macht schwarzer Gemeinschaften schwächen", sagte Johnson.
Die Kampagne ist eine Reaktion auf einen Supreme-Court-Urteil von 2013, das eine Schlüsselbestimmung des Voting Rights Act von 1965 schwächte. Seitdem haben Bundesstaaten mit republikanischer Mehrheit ihre Wahlkreise neu gezogen, wodurch Mehrheits-Schwarzen-Bezirke im Kongress eliminiert wurden. Ein Boykott durch schwarze Athleten könnte massive Auswirkungen auf College-Football- und Basketball-Programme haben, besonders in der Southeastern Conference (SEC) und Atlantic Coast Conference (ACC), wo schwarze Athleten einen großen Teil der Kader ausmachen.
Auch der Congressional Black Caucus übt Druck aus. Die Gruppe schickte einen Brief an die Kommissare der SEC und ACC sowie an NCAA-Präsident Charlie Baker. Darin erklären die Abgeordneten, dass sie sich dem SCORE Act widersetzen werden, einem Gesetzesentwurf zur Standardisierung von Athleten-Verträgen, es sei denn, die Conference-Führungen stellen sich gegen die Umverteilungspläne der Bundesstaaten. Der Congressional Black Caucus schreibt: "Institutionen, die von schwarzem Talent und schwarzen Gemeinschaften profitieren, haben die Verantwortung, mit diesen Gemeinschaften zu stehen, wenn ihre Grundrechte angegriffen werden. Schweigen angesichts von Ungerechtigkeit ist keine Neutralität. Es ist Komplizenschaft."
Ballports-Take: Die "Out of Bounds"-Kampagne zeigt, wie tief Sport und Politik in den USA verflochten sind. Für deutsche Football- und Basketball-Fans ist das ein wichtiger Kontext beim Verfolgen von College-Teams aus diesen Bundesstaaten. Die mögliche Dezimierung von Spielerkädern könnte die Wettbewerbsfähigkeit von SEC- und ACC-Teams beeinflussen, die auch international Aufmerksamkeit genießen. Es bleibt zu sehen, ob und wie diese Kampagne die tatsächliche Rekrutierungsfähigkeit dieser Programme beeinflusst.